UK Championship: Freud und Leid der zweiten Runde

Alan McManus UK Championship zweite Runde
Mal wieder ist es John Higgins, der gegen Alan McManus das Nachsehen hat. © World Snooker/Tai Chengzhe

Gerade wollte ich es mir auf dem Sofa bequem machen, mit etwas Muße die erste Runde der UK Championship Revue passieren lassen und auf die zweite vorausblicken, da kamen unangenehme Nachrichten angeflattert, die zuerst bearbeitet werden wollten. Anschließend musste ich der Jahresendbäckerei frönen und dann konnte ich die Augen nicht vom Spiel McManus–Higgins lassen. Deshalb gibt’s jetzt weder/noch oder irgendwie/irgendwas.

Weiter geht’s ohne Selby und Murphy

Nach meinem ersten Bericht strauchelten dann doch noch einige Top-Spieler. Und so waren die Meisterschaften für Mark Selby, Shaun Murphy, Ryan Day und Anthony McGill schon vorbei, bevor sie für alle vom Fernsehen abhängigen Zuschauer_innen richtig angefangen haben. Heute gab es endlich Live-Bilder im Fernsehen und das „Team Angles“ freute sich, dass das Match am TV-Tisch stattfand. Wahrscheinlich wollte die BBC bei John Higgins 1.000. Matchgewinn dabei sein, aber da hatte McManus andere Pläne.

… und jetzt auch ohne Higgins

Es war jetzt nicht gerade ein Spitzenspiel, wie bei einem überspielten, snookerlustlosen Higgins und einem um Form und Tour-Überleben kämpfenden McManus auch nicht zu erwarten war. Mit 3–1 für McManus ging es in die Pause, aus der Higgins etwas erfrischter zurückkam: Vier Frames holte er sich in Folge und hätte „nur“ noch einen Frame zu seinem historischen Sieg gebraucht. Doch die letzten drei Frames gingen an McManus. Im Entscheidungsframe machte er ein wunderschönes 85er Break und ließ Higgins gar nicht mehr an den Tisch. Damit ist auch die No. 4 raus und gibt seinem Kumpel McManus die Chance, wichtigen Boden zum Verbleib auf der Tour zu gewinnen. Der saß keine Stunde nach seinem Sieg schon wieder in der Kommentatorenkabine. Ob das nicht ein bisschen viel auf einmal ist? Wir werden es in seinem nächsten Match gegen Ford oder Milkins sehen.

Vielleicht hilft die Pause John Higgins, seinen 1.000sten Sieg vor heimischem Publikum bei den Scottish Open einzufahren.

Qick, aber nicht dirty

Manche meinten, das Spiel zwischen Neil Robertson und Thepchaiya Un-Nooh wäre die bessere Wahl für den TV-Tisch gewesen und dem kann ich – trotz persönlicher Interessen am anderen Spiel – nicht widersprechen. Hier gab es zumindest einen Haufen hohe Breaks. Erst sah es gar nicht gut aus für die No. 10 der Weltrangliste gegen den schnellen Thailänder. Der war nämlich 3–0 in Führung gegangen und drohte damit, Robertson wieder ein frühes Aus zu bescheren. Doch dann zündete irgendetwas … und Robertson gewann sechs Frames in Folge in beeindruckender Manier.

Robertson Un-Nooh Matchstatistik UK Championship zweite Runde

Eindrucksvolle Match-Statistik in der zweiten Runde der UK Championship.

Mike Dunn mit Dominic Dale auf’s Altenteil?

Als Dominic Dale vor ein paar Tagen seinen eventuellen Ruhestand zum Ende der Saison ankündigte, kommentierte Mike Dunn, dass er davon auch nicht weit entfernt ist. Auch ihm mache das Training keinen Spaß mehr und sein Körper wäre kaputt. (Er hat ja schon länger gesundheitliche Probleme wie Nierensteine u.ä.)

In der zweiten Runde stand er heute Abend Kyren Wilson gegenüber und ich muss sagen, das Match ließ sich nicht so an, als stände ein Spieler im bevorstehenden Ruhestand dem Mann-in-Form/Hoffnungsträger/neuer Weltmeister gegenüber. Denn Dunn erarbeitete sich erst einmal eine 2–0-Führung, bevor Wilson zwei Frames zum Ausgleich gewann Doch danach bekam der kranke, alte Mann leider keinen Frame mehr aufs Zählbrett und Wilson zieht in die nächste Runde ein.

Joe Perry gewinnt 6–1 gegen Michael Holt, Bingham braucht gegen Maflin einen Entscheidungsframe zum Sieg. Alle Spielpaarungen, -zeiten und (Zwischen)Ergebnisse gibt’s hier.

Die Partie Songsermsawad-Cahill endete weit nach Mitternacht im Decider mit einer fahrlässigen Entscheidung von Cahill. Nachdem er Akani mit einem Snooker zu mehreren Fouls gezwungen hatte, ergriff er eine liegengebliebene Chance nicht, sondern ließ zurückbauen. Und dann passierte das: Songsermsawad spielt Hit & Hope, flukt dabei eine Rote und spielt anschließend ein frame- und matchgewinnendes Break. Davon wird Cahill noch ein paar Jahre träumen. Und die Selby-Fans werden sich denken: „Und dafür musste er den Mark aus dem Turnier kegeln?“

Rück-/Ausblick UK Championship zweite Runde

Auch Jimmy Robertson musste heute eine Niederlage einstecken und zwar gegen Tian Pengfei. Und Mark Davis konnte seinen guten Lauf nicht fortsetzen und musste sich Zhou Yuelong geschlagen geben.

Mit Joe O’Connor, Chen Feilong und Sam Baird sind noch drei Spieler jenseits Platz 100 der Weltrangliste dabei. Morgen um 14 Uhr freuen wir uns auf das Aufeinandertreffen zweier „taufrischer“ Weltmeister: Ronald O’Sullivan und Ken Doherty. Parallel spielt Matt Selt gegen Ding Junhui. Um 20 Uhr stehen Judd Trump und Dominic Dale sich gegenüber und das nächste „Altmeister-Duell“ lautet Matthew Stevens gegen Graeme Dott.

Für alle Fans von Internet-DaDa empfehlen wir heute zur Belustigung das Interview mit Robertson und Davis nach ihren Siegen in der ersten Runde – nicht vergessen, die automatischen Untertitel anzustellen!!

 

 

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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