Gilbert verpasst dramatisch das Finale der WM 2019

Gary Wilson verpasst Einzug ins Finale WM 2019
Gary Wilson auf seinem vorerst letzten Weg in die Arena.

Judd Trump und John Higgins haben das Finale der WM 2019 erreicht. Gary Wilson und David Gilbert konnten zwar für Spannung und Drama, nicht aber für die große Überraschung sorgen.

Gilbert nach verpasstem WM-Finale in Tränen

Wir hatten es ja schon befürchtet, dass die 13–11-Führung von David Gilbert gegen John Higgins vielleicht nicht ausreichen würde. Und Gilbert hat es tatsächlich wieder geschafft, ein Spiel zu verlieren, das er die meiste Zeit dominierte. Am Ende einer spannenden Session musste er Higgins in das WM-Finale einziehen lassen.

Gilbert war am Nachmittag mit einer 105 noch gut ins Match gestartet. Doch Higgins ging danach (das erste Mal nach seinem 2–1) durch Breaks von 52, 74, 96 mit 15–14 in Führung. Gilbert konnte sie sich noch einmal zurückerobern, doch Higgins konterte mit einer 139. Im hochdramatischen Entscheidungsframe war ein Kick der Anfang vom Ende von Gilberts Finalhoffnungen.

John Higgins entschuldigte sich anschließend bei David Gilbert, dass er ihn auf sein Niveau heruntergezogen hatte und konnte es nicht fassen, dass nun er selber im Finale steht. Gilbert hätte ihn in den Sessions davor schon nicht genügend auf Abstand gehalten, sagte er, besonders im zweiten Frame, als seine Performance unterirdisches Niveau hatte. Anschließend kritisierte er noch den Zeitplan des Finales. Der Abstand zwischen den Sessions sei viel zu kurz, man sollte die erste Session zwei Stunden früher beginnen.

David Gilbert versuchte neben seiner großen Enttäuschung auch das Positive zu sehen, das er hier mitnimmt. „Ich habe jede Minute genossen. Ich bin ohne Erwartungen hergekommen, aber über die Niederlage bin ich total enttäuscht. Es wäre unglaublich gewesen, hier das Finale zu erreichen.

Ich habe noch nie etwas gewonnen. Ich bin nahe dran gewesen, aber die letzten Wochen waren die besten, die ich in meiner Snookerkarriere je hatte. So nah komme ich einem WM-Sieg womöglich nie wieder.“

Im Interview mit Rob Walker und in der anschließenden Pressekonferenz konnte er die Tränen nicht zurückhalten. Er war bestimmt nicht der Einzige, dem das so ging.

Nervöser Start am Vormittag

Fehler sowohl von Judd Trump wie auch von Gary Wilson bestimmten die ersten Frames des Tages. Dabei sah es so aus, als hätte Wilson seine tolle Turnierform völlig verloren. Trumps lange Bälle kamen anfangs nicht mit der sonst üblichen Sicherheit, aber er wirkte trotz eigener Fehler sehr fokussiert und konnte seine Führung auf 11–7 ausbauen.

Der dritte Frame bot ein ähnliches Bild. Wilson lochte einen ziemlich selbstbewussten Einsteiger, doch dann fiel ihm beim Split der Spielball. Nach ewigem Hin und Her legte Wilson den Snooker der WM. Trump brauchte drei Versuche, um sich daraus zu befreien, ließ aber Wilson eine Chance liegen. Der stellte mit diesem Framegewinn auch die Abendsession sicher, die manche schon in Frage gesehen hatten.

Century-Rekord fällt schon vor dem Finale der WM 2019

Im vierten Frame war der einzige flüssige Frame der Minisession und der brachte einen Rekord: Trump holte ihn mit einem 114er Break zum 12–8. Das war das 87. Century der WM – mehr als jemals in der Endrunde einer WM gespielt wurden.

Nach der Pause legte Trump 50 Punkte vor, aber Wilson kämpfte sich heran holte am Ende den Frame auf die Farben. Das 13–9 besiegelte Trump mit einem 67er Break, Wilson antwortete mit zwei kleineren Breaks zum 13–10. Den letzten Frame der Session gewann Trump zum 14–10.

Am Abend brauchte Trump dann nicht mehr lange. Wilson gewann zwar noch einen Frame, aber Breaks von 97 und 88 zog Trump ins Finale ein.

Während Gary Wilson sein Spiel und die Tischbedingungen kritisch beurteilte, sieht Trump dem Finale mit „epischem Line-up“ zuversichtlich entgegen.

Das Finale startet heute um 15 Uhr, zweite Session um 20 Uhr und wird morgen zu denselben Zeiten fortgesetzt.

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AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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