Top 16 im Viertelfinale unter sich

Mark Allen im Viertelfinale
Ein bisschen untergegangen: Mark Allens Sieg gegen Joe Perry. © World Snooker/Tai Chengzhe

Mark Allen, Kyren Wilson, John Higgins, Ali Carter und Barry Hawkins haben ihren Platz im Viertelfinale der WM 2018 schon gebucht. Im Laufe des Tages werden auch die letzten drei Spieler feststehen, wobei Ding Junhui mit seiner 12–4-Führung gegen Anthony McGill wohl der sicherste Kandidat war. [Update: Er hat gewonnen. Ebenso wie Mark Williams und Judd Trump.]

Von McGill hätte ich nach seinem Mega-Kommzurück gegen Ryan Day etwas mehr erwartet. Erst beim Stand von 0–9 konnte er den ersten Frame für sich entscheiden. Auch wenn er in der Session noch drei weitere nachlegte, ist Ding hier einfach zu gut gewesen, um den einen Gewinnframe nicht mehr zu schaffen. Er spielt im Viertelfinale gegen Barry Hawkins.

Am letzten Tag nur noch zwei Qualifikanten im Rennen

Nach vielen Favoritenstürzen der ersten Runde sind die Qualifikanten zum größten Teil nun doch in Runde zwei hängengeblieben. Robert Milkins (37. der Weltrangliste) lag mit seinem 6–10-Rückstand gegen Mark Williams noch einigermaßen aussichtsreich im Rennen. In einer bislang centuryfreien Partie war der Weltmeister von 2000 und 2003 allerdings der stärkere Spieler.

Die beiden genossen heute Abend schon mal eine Art One-Table-Setup. Die Partie Higgins-Lisowski wurde wegen Jacks mangelnder Gegenwehr schon in der zweiten Session mit 13–1 entschieden. Mark Williams brauchte nur eine knappe Stunde, bis er auch seine 13 Gewinnframes erreicht hatte. Er spielt im Viertelfinale gegen Ali Carter.

Ricky Walden (27. der Weltrangliste) spielte mit Judd Trump auf einem Niveau. Dementsprechend stand es hier nach zwei Sessions 8–8. Ricky Walden, WM-Halbfinalist 2013, ist einer der Spieler, die trotz jahrelang guter Leistung immer ein bisschen unter dem Radar fliegen. Rückenprobleme haben ihn in der letzten Zeit auch in der Rangliste zurückgeworfen. Doch sowohl in der Qualifikation, im Erstrundenspiel gegen Brecel wie auch hier gegen Trump trat er beeindruckend stark auf. Allerdings darf auch nicht verschwiegen werden, dass Trump hier nicht seine Höchstleistung ablieferte.

In der heutigen Session konnte Walden allerdings nur noch den ersten Frame gewinnen, dann drehte Trump auf und holte vier Frames in Folge zum Sieg. Doch nur wenn er sich noch weiter steigern kann, hat er im Viertelfinale eine Chance gegen Higgins.

Der vorletzte Qualifikant, der die Segel streichen musste. © World Snooker/Tai Chengzhe

Gute Chancen auf einen Debütantensieg?

Mit Higgins und Williams sind nur noch zwei Ex-Weltmeister im Turnier. Während Higgins ganz offensichtlich unter Strom steht, „floatet“ Willo hier durch das Turnier wie schon beim German Masters. Dazu kommen Ding Junhui, Ali Carter und Barry Hawkins: Sie alle standen schon im Finale der WM. Und alle stehen deswegen auch auf der Liste der besten Spieler, die noch nie Weltmeister waren und eigentlich könnten wir Mark Allen gleich dazuzählen. Hinzu kommen diejenigen, denen schon in jungen Jahren ein WM-Titel prophezeiht wird/wurde – allen voran Judd Trump, aber auch Kyren Wilson, dessen nächster Gegner Mark Allen ist.

Warum Trump nicht Weltmeister wird

Es gibt viele Gründe, warum ich nicht glaube, dass Trump den Titel holt. Weder in diesem Jahr, noch in den nächsten. Technisch und taktisch wäre er dazu schon seit Jahren in der Lage. Aber ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass ihn irgendetwas auf der Zielgeraden davon abhält, den großen Wurf zu tun. Als könnte er selber nicht glauben, dass er es kann. Oder als würde er glauben, es stände ihm nicht zu. Immer wieder zweifle ich an seiner Selbstsicherheit, die 100% da sein müsste, um diesen Titel zu holen. Doch in den letzten beiden Spielen haben wir wieder gesehen, wie er unter Druck mehr schwächelt als seinen Fähigkeiten angemessen wäre. Ich meine, es gab schon früher Zeichen jenseits des Tisches. Die Autos, die Trump fährt, sind ja buchstäblich Symbole für die Kompensation eines Minderwertigkeitskomplexes, oder?

In der Presskonferenz hängte er die Messlatte auf alle Fälle möglichst tief:

Das mag vielleicht ein scherzhaftes Understatement sein, aber vielleicht fehlt Trump an mancher Stelle tatsächlich der realistische Blick auf sich und seine Leistung. Nach seinem Erstrundenkampf gegen Chris Wakelin behauptete er, seine Fehlversuche waren einfach „bad misses“ und nicht etwa das Ergebnis des Drucks. Ich kann das – ehrlich gesagt – nicht glauben.

Aber auch ich lasse mich – wie so viele andere, die ihn jetzt schon totsagen – gerne Lügen strafen. Auch wenn ich den Titel ganz jemand anderem gönne, ich könnte nicht sagen, Judd hätte ihn nicht verdient.

Hier ein kleiner Bonbon: Ricky Waldens schöner Ball zur 7-6-Führung:

UNBELIEVABLE! 😵

UNBELIEVABLE SHOT from Ricky Walden! 👏Didn't need the black anyway… 😎

Gepostet von World Snooker am Sonntag, 29. April 2018

 

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderfluent), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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