Reanne Evans ist Weltmeisterin 2019

Wer wird Weltmeisterin 2019? Nutcharut Wongharuthai oder Reanne Evans? © World Women’s Snooker

Reanne Evans setzt sich im Finale der World Women’s Championship mit 6–3 gegen Nutcharut Wongharuthai durch und wird damit zum 12. Mal Weltmeisterin. Sie gewinnt ein Preisgeld von 5.500 £, Nutcharut bekommt 2.500 £. Für ‚Mink‘ Wongharuthai war es das erstes WM-Finale.

Auftakt auf Augenhöhe

Von übermäßigem Respekt vor der 11fachen Weltmeisterin war bei der jungen Thailänderin nichts zu sehen. Im ersten Frame legte Mink 68 Punkte vor. Reanne kam zwar heran, holte noch vier nötige Foulpunkte, verschoss aber beim Stand von 57–68 die letzte Gelbe und Mink räumte ab bis Blau zum 1–0. Eine tolle lange Rote brachte Mink auch in Frame zwei als erste ins Break, doch am Ende holte Reanne den Ausgleich. Im dritten Frame war Reanne in Führung gegangen. Danach war Mink auf gutem Weg den Frame zu holen, als ein unglückliches Foul (sie hatte sich selbst gesnookert und verfehlte die letzte Rote) Reanne zum framegewinnenden Break wieder an den Tisch brachte. Der vierte Frame ging in mehreren Anläufen an Mink zum 2–2. Den fünften Frame holte sich Reanne mit mehreren Mini-Breaks und die beiden gingen mit einem angemessenen 3–2 in die Pause.

Nach der Pause drehte die Serienweltmeisterin auf

Der Frame nach der Pause dauerte knapp über eine halbe Stunde und ging ebenfalls an Reanne. Mink behielt mit einem 56er-Break nach zum 4–3 den Anschluss. Nur knapp scheiterte Reanne im nächsten Frame am Century. Mit einer 92, dem höchsten Break des Turniers, zog sie zum 5–3 davon und brauchte nur noch einen Frame zum erneuten WM-Titel. Den wollte Nutcharut aber nicht kampflos hergeben. Und hätte sie beim Spiel auf die Farben nach der tollen Gelben nicht Grün verschossen, hätte das Spiel auch anders ausgehen können. Im folgenden Safetyaustausch machte Reanne einfach einen Fehler weniger.

Reanne zeigte sich anschließend sehr glücklich und erleichtert. Nachdem sie die letzten Jahre im Halbfinale ausgeschieden war, hat sie langsam ein bisschen an Selbstvertrauen verloren. Umso glücklicher ist sie jetzt, dass sie trotz einer starken Gegnerin gewinnen konnte. Über Nutcharut sagte sie: „Ihre Shot Selection wird immer besser. Ihre Technik ist brillant, sie ist eine großartige Person und ihr Temperament ist toll. Sie tut alles mit einem Lachen ab und macht unbeirrt weiter. Das ist die richtige Einstellung.”

Die Halbfinalspiele

Im Halbfinale besiegte Nutcharut Wongharuthai die belgische Meisterin Wendy Jans mit 5–2. 2017 noch in der Gruppenphase ausgeschieden, kam Mink bei der letzten WM schon ins Viertelfinale. 2018 gewann sie die U21-WM und die U21 UK Championship. In dieser Saison stand sie in mehreren Finals wie der U21-WM, dem European Women’s Masters, den Belgian Women’s Open U21 und den World Women’s 6-Red Championship.

Reanne Evans erreichte mit einem 5–3 gegen Baipat Siripaporn ihr erstes Finale seit 2016. In dem Jahr holte auch zum letzten Mal den Titel.

Alles in einem eine tolle WM

In diesem Jahr war deutlich zu merken, dass sich die Frauen-Snooker-Tour weiterentwickelt. Die Bedingungen im Hi End-Snooker-Club waren hervorragend, die Tische in bestem Zustand und die mediale Präsenz war wesentlich professioneller und umfangreicher als in den letzten Jahren. Auf der Facebook-Seite von World Women’s Snooker sind alle gestreamten Spiele jetzt als Video zu sehen.

Einen kurzen Spielbericht vom Viertelfinale gibt es hier. Alle Zahlen zum Turnier findet ihr hier.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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