Paul Hunter Classic 2018: Schüler gewinnt gegen Lehrer

Peter Ebdon, Kyren Wilson Paul Hunter Classic 2018
Die Finalisten mit Schiedsrichterin Luise Kraatz vor dem Finale des Paul Hunter Classic 2018. © World Snooker/Tai Chengzhe

Kyren Wilson gewinnt das Finale des Paul Hunter Classic gegen Peter Ebdon mit 4–2. Er kann jetzt eine schöne Blumenvase, einen Scheck über £20 000 und einen Platz beim Champion of Champions sein Eigen nennen. Der Runner-up Ebdon bekommt £10 000.

Wie die sehr ähnliche und unkonventionelle Beinhaltung schon zeigt, hat Kyren Wilson das Snookerhandwerk großteils bei Peter Ebdon erlernt. Das einzige Treffen der beiden – bei einem PTC im Jahr 2011 – endete ebenfalls siegreich für Wilson.

Die ersten beiden Frames des Abends gingen innerhalb einer Stunde an Peter Ebdon, der dabei ein Break von 66 spielte. Im dritten Frame machte er 49 Punkte, bevor er Wilson an den Tisch lassen musste. Dieser verschoss zwar beim Stand von 47–49 Pink, doch letztlich konnte er das folgende Safety-Duell und auch den Frame für sich entscheiden.

Auch im vierten Frame war Ebdon nach tollem langen Einsteiger zuerst in den Bällen, doch ein unglückliches Foul auf Schwarz machte dem Break bei 4 ein Ende. Wilson stellte mit dem ersten Century-Break einen 2–2-Gleichstand her. Der fünfte Frame war ein ziemliches Gepopel, erst ein Re-Rack und dann verschossene Bälle, versenkte Spielbälle, andere Fouls und Breaks im einstelligen Bereich. Am Ende ging der Frame an Wilson und dieser zum ersten Mal am Abend in Führung.

Im sechsten Frame lag Wilson mit 63 Punkten in Führung, als er den Frameball mit einem Double auf die Mitte lochen wollte und verschoss. Doch Ebdon nutzte die Chance nicht und Wilson machte mit einer 57 den Frame zum 4–2-Endstand sicher.

Kommzurückkönig Peter

Peter Lines hätte es am Aufwand gemessen wirklich verdient gehabt, sich in ein Seniorenfinale gegen Peter Ebdon zu spielen (beide sind 48 Jahre alt). Denn sowohl im Viertel- wie auch im Halbfinale legte er jeweils ein schönes Comeback bis zum Decider hin: Gegen Jack Lisowski war er siegreich, doch gegen Kyren Wilson zog er den Kürzeren. Zuvor hatte er im Achtelfinale Mark Davis mit 4–2 geschlagen. Als Clubkollege von Paul Hunter hätte es natürlich auch schön zum Turnier gepasst. Und für Peter Lines wäre es der erste Weltranglistentitel gewesen.

Allerdings brauchte Kyren Wilson auch zwei Entscheidungsframes bis zum Finale. Im Viertelfinale gegen Daniel Wells und – natürlich – gegen Peter Lines.

Auf seinem Weg ins Finale hatte Peter Ebdon – in dieser Höhe – etwas überraschend Thepchaiya Un-Nooh mit 4–0 geschlagen. Danach spielte er sowohl gegen Lee Walker als auch gegen Scott Donaldson ein klares 4–1. Besonders sein stabiles Long-Game half ihm dabei, aber auch seine Zähigkeit, zahllose Breaks von 1 in einen framegewinnenden Vorsprung zu verwandeln.

Erfahrung zählt

Von all den gestern gefeierten „Rookies“ schaffte es leider niemand über das Achtelfinale hinaus. Harvey Chandler wurde von Zhang Anda „weißgewaschen“, Jackson Page musste sich Scott Donaldson geschlagen geben und Hammad Miah scheiterte am späteren Finalisten Wilson.

Als im Viertelfinale sechs Spieler standen, die noch keinen Weltranglistentitel errungen haben, hegten einige die Hoffnung, dass es hier zu einem Debüt kommen könnte. Aber am Ende standen sich dann doch zwei Spieler mit mehr und etwas weniger Erfahrung gegenüber.

Der Überblick über alle Partien des Paul Hunter Classic findet sich hier. Wen das Scrollen nervt, geht direkt auf snooker.org.

Die Zukunft des Paul Hunter Classic wird verhandelt

Gegenüber dem Vorjahr sind die Ticketverkäufe um 10% zurückgegangen. Sicher schlägt sich hier die von Jahr zu Jahr immer weniger werdende Zahl von Spitzenspielern, die für das Turnier melden, nieder. Außerdem können natürlich keine Sponsor_innen geworben werden, wenn die Spiele nicht einmal im Fernsehen zu sehen sind. Wenn World Snooker sich nicht zu einer größeren Unterstützung des Turniers durchringen kann, werden hier rote Zahlen geschrieben. Der Veranstalter ist mit allen Beteiligten in Verhandlung, ob und in welcher Form es hier weitergehen wird. Die Entscheidung wird aber nicht vor November erwartet.

Peter Ebdon Paul Hunter Classic 2018

Peter Ebdon ist übrigens ziemlich redselig. Hier möchte er aber gerne seinen Freund Rory McLeod noch ins Gespräch involvieren.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderfluent), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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