O’Sullivan wird Millionär? Und wer verwettet seine Karriere?

O'Sullivan, English Open 2017
Ronnie O'Sullivan mit dem Pott, den er nicht mitnehmen wollte, weil er ihn wieder zurückgeben muss. © World Snooker/Tai Chengzhe

Nachdem Ronnie O’Sullivan mit seinem überzeugenden 9-2-Auftritt gegen Kyren Wilson am Sonntag den English Open Titel geholt hat, scheinen die Chancen gestiegen zu sein, dass es in diesem Leben doch jemandem gelingt, alle Turniere der Home-Nation-Series – und damit die Millionenprämie – zu gewinnen.

Ehrlich gesagt habe ich O’Sullivan schon lange nicht mehr so motiviert gesehen und das hat sich durchaus auf sein Spiel ausgewirkt. Selbst wenn er zwischenzeitlich mal kämpfen musste wie im Halbfinale gegen Anthony McGill, hatte ich zum ersten Mal seit Langem zu keiner Zeit Zweifel, dass er das Ding in Barnsley gewinnt. Und nicht nur ich traue ihm die komplette Vierer-Serie zu, während die #147sf-Gemeinde vorwiegend skeptisch ist.

Um dieses Level an Motivation hochzuhalten, sind alle Fans aufgerufen, jeglichen Support zu unterlassen. Auf die Frage, ob er die „Gwaan Ronnie“-Rufe während der Spiele schätzt, antwortete er nämlich ganz Ronnie-like:

Maximum für Liang Wenbo

Neben einem überzeugenden Titelgewinner sahen wir auch einen unglaublich aufspielenden Alexander Ursenbacher, der unter anderem Shaun Murphy aus dem Rennen warf. Ursenbacher erreichte das erste Halbfinale seiner Karriere, in dem er an Kyren Wilson nicht vorbeikam. Seine Eindrücke vom Turnier könnt ihr in diesem Interview lesen.

Titelverteidiger Liang Wenbo musste die Hoffnung auf einen weiteren Titel zwar in Runde drei gegen Yan Bingtao begraben, aber in Rund zwei spielte er ein Maximum, was ihm runde £40.000 und uns mal wieder einen Urschrei einbrachte. Das Ganze ist hier zu sehen.

Trophygate

Als Joe Perry 2015 mit dem Gewinn der Players Tour Championship Grand Finals seinen ersten Weltranglistentitel holte, hatte er das Pech, zwar einen vier Quadratmeter großen Scheck zu erhalten, aber keine Trophäe. Er hat sich darüber (scherzhaft) auch ein oder zweimal auf Twitter „beklagt“ und es dann gut sein lassen. Doch heute nahm das Thema Pokale, Trophäen und Glasvasen neue Dimensionen an. Ich könnte hier jetzt ausführlich schreiben, was Herrn O’Sullivan geritten hat, als er das neue Trophygate losgetrat, das sogar den Weltverband zu einer Stellungnahme veranlasste. Aber ich habe keine Lust dazu, diesen Quatsch hier noch zu wiederholen. Einfach des Herren Zeitlinie auf Twitter und/oder diesen Artikel im Express lesen, dann wisst ihr alles, was ihr vorher noch nie wissen wolltet.

Binghams Betting Ban

Ach ja, und dann war da noch Kapitel 11.4 im „Buch der Spieler, die auf Regeln scheißen“. Neben Alfie Burden, Kurt Maflin und Joe Perry, die alle kürzlich eine Sperre auf Bewährung erhielten, hatte auch Ex-Weltmeister Bingham sich beim Wetten erwischen lassen. Ich wähle diese Formulierung bewusst, da ich davon ausgehe, dass noch mehr solcher Fälle auftauchen. Kurt Dunham wird aber wohl nicht darunter sein, da er offensichtlich seinen Vertrag gelesen und verstanden hat.

Bingham erhält eine sechsmonatige Sperre, von der drei Monate zur Bewährung ausgesetzt sind. Damit verpasst er einige gut dotierte und prestigeträchtige Turniere: Champion of Champions, International Championship, UK Championship, Masters, German Masters und Scottish und Northern Irish Open. Zusätzlich muss er £20.000 Verfahrenskosten zahlen. Wer’s genauer wissen will, klickt hier, um die WPBSA-Erklärung zu öffnen.

Ob der Fall Bingham nun anders ist als der von John Higgins, Leo Fernandez, Burden, Perry und Maflin? Ob die Strafe gerecht ist? Ob die Regeln zu schwer zu verstehen sind? So viele Fragen, so viele Meinungen. Zum Strafmaß gab noch weitaus radikalere Vorschläge (sowohl von Spielern wie Mark Williams wie auch von anderen) und ich finde die gar nicht mal so uninteressant.

Lasst uns über das Sportliche reden

Mit diesem Wunsch schloss Eurosportkommentator Rolf Kalb seinen letzten Blogpost. Ich muss gestehen, dass es mir in letzter Zeit schwer fällt. Wie die treue Leserschaft ja wahrscheinlich mitbekommt, schreibe ich hier in letzter Zeit weniger als vorher. Gerade passiert in der Welt und in meinem Leben so viel, gegen das Snooker einfach belanglos wirkt. Ich versuche trotzdem am Ball – oder besser gesagt: an den Bällen – zu bleiben. Wenn sich jemand von den Mitlesenden bemüßigt fühlen sollte, auch mal etwas zu schreiben, dann ist sie*er herzlich willkommen.

Momentan laufen die UK Seniors Championship im englischen Surrey, am Wochenende findet das Women’s Masters in Gloucester statt, wo Reanne Evans versuchen wird, ihren Titel zu verteidigen. Und am Montag beginnen die International Championship in Daqing.

 


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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