Murphy von Null auf Hundert beim Champion of Champions

Murphy O'Sullivan Champion of Champions 2017
So lächeln nur wahre Freunde wie Shaun Muphy und Ronnie O'Sullivan © © JP Parmentier - Matchroom Multi Sport 2017

Vier Jahre lang konnte Shaun Murphy kein einziges Spiel hier in Coventry gewinnen. In diesem Jahr brach er den Fluch und holte sich den Titel des Champion of Champions. Im Finale gewann er gegen Ronnie O’Sullivan mit 10–8, erhöht sein Einkommen damit um £100 000 und bereichert den Haushalt um eine hübsche Obst- oder Bowleschüssel. O’Sullivans zweiter Platz wird noch mit £50 000 vergütet.

In der Nachmittagssession sahen wir Gewinnframes in der Formation 2x O’Sullivan, 4x Murphy und wieder 2x O’Sullivan, bevor ein kurioser neunter Frame die Session beschloss. Zum Glück war keiner der „Dieses Miss kostet ihn den Frame“-Kommentatoren am Mikrofon, denn dann hätten wir diesen Satz in Endlosschleife gehört. Am Ende stellte Murphy perfekt auf die Schwarze zum Framegewinn, verfehlte sie und musste O’Sullivan die Chance auf dem Tisch lassen. Doch auch er verschoss und Murphy lochte zum 5–4 zur Pause.

Damit war für den Abend ein spannendes Spiel zu erwarten, hatten doch nicht viele Leute Murphy in diesem Spiel vorne gesehen. Doch der Abend begann ziemlich einseitig: Murphy baute – unterstützt durch einen schwächelnden O’Sullivan – seine Führung auf 8–4 aus. Erst dann konnte dieser seine Fehlerquote senken und ein wenig ins Rollen kommen. Mit dem einzigen Century des Finales kam er auf 7–9 heran und konnte auch den nächsten Frame gewinnen. Ein leicht nervös werdender Murphy musste fast noch einen Entscheidungsframe spielen: Im letzten Frame führte O’Sullivan, verschoss aber Grün, den Frameball, und ließ diesen als Geschenk für Murphy direkt vor der Tasche liegen. Der räumte ab zum 10–8-Endstand.

Century Nummer 900 für The Rocket

Im Halbfinale gegen Anthony Hamilton machte O’Sullivan sein 900. Karrierecentury. Im Laufe des Turniers wurde er von Stephen Hendry interviewt und die beiden sprachen auch über die Rekorde, die O’Sullivan noch brechen könnte. Er sagte, er denke lieber gar nicht daran, weil es ihn zu sehr unter Druck setzen würde. Vielleicht gilt das für die WM-Titel, aber mein Eindruck ist, dass ihm die 1000 Centuries ein erstrebenswertes und machbares Ziel sind.

Das Interview ist ziemlich spannend. Beide plaudern recht entspannt miteinander und es ist ihnen anzumerken, dass sie sich mittlerweile doch auf Augenhöhe begegnen. (Unter den Videos geht’s noch weiter.)

Das Champion of Champions ist normalerweise eins meiner Lieblingsturniere, nicht nur wegen der Top-Spieler und des entspannten Spielplans, sondern auch wegen der tollen Übertragung von itv4 mit Jill Douglas, Neal Foulds, Stephen Hendry, Clive Everton und natürlich Alan McManus im Studio. Aber in diesem Jahr wollte der Funke nicht recht überspringen. Meine Snookerbegeisterung kochte weder ob eines Trump-Whitewashes durch Luca Brecel noch eines Deciders zwischen Michael White und Marco Fu. Vielleicht war noch Brecels Leistung das Bemerkenswerteste an diesem Turnier, der erst im Halbfinale gegen den Titelgewinner ausschied und in seinen Partien – besonders gegen Mark Selby – Nerven wie Drahtseile zeigte.

Morgen (oder besser: gleich) geht es schon weiter. Das Shanghai Masters, dass nach ewigem Hin und Her ziemlich blöde in den Kalender gequetscht wurde, hat nicht nur die Spieler zu unnötigen Hin- und Herflügen zwischen China und England gezwungen, sondern auch mich hinsichtlich des Blogs und meiner Mitarbeit bei snooker.org ein wenig in Stress gebracht. Deshalb werde ich hier vielleicht erst einmal ein wenig Ruhe einkehren lassen.


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin.

Ist keine Ronnie-O’Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt.

www.twitter.com/lulawitzescher

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3 Gedanken zu „Murphy von Null auf Hundert beim Champion of Champions

  1. Tapioka

    Schön Zusammenfassung!

    Aber eine Frage: Wie kann ich denn ITV4 in Deutschland schauen? Würde ich für solche Events nämlich auch gerne machen. Die Eurosport-Labertaschen gehen mir meistens eh auf die Nerven (nur Joe Johnson finde ich gut… der redet zwar auch viel, aber immerhin matchrelevant). Aus unerfindlichen Gründen kann ich jetzt auch keinen englischen Kommentar mehr im Web-Player bei Eurosport einschalten. Schöner Rückschritt!

  2. Lula Witzescher Artikelautor

    Danke! Und sorry für die späte Antwort, sehe den Kommentar gerade erst. itv4 geht nur über ein UK-IP-Adresse oder über halbseidene Streams.

  3. Tapioka

    Kein Problem, ich weiß ja, dass ihr das hier nur so zum Spaß(?) macht. Da erwarte ich auch keine schnellen Antworten ;).

    Hab mir schon gedacht, dass es nicht sooo einfach ist. Danke trotzdem für die Info!

    Viel Glück mit der Verlagssuche übrigens. Ich würde es eventuell lesen, wenn (falls?) es draußen ist. Lese viel, schreibe auch selbst… Grundinteresse ist daher immer vorhanden.

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