Masters 2016: Die erste Runde

Selby, Walden, Masters 2016
Mark Selby und Ricky Walden in ihrem Erstrundenmatch. © Monique Limbos

Seit Sonntag spielen im Londoner Alexandra Palace die Top 16 der Weltrangliste um den begehrten Kristall-Triangel. Heute werden die letzen Viertelfinalplätze ausgespielt. Nach vier Tagen sieht es folgendermaßen aus: Der Titelverteidiger ist raus, das Publikum ist gut unterhalten.

War es ein Schock, als Mark Allen den Titelverteidiger Shaun Murphy mit 6-4 besiegte? Mir fällt es bei der Leistungsdichte der Spieler etwas schwer, von so einem Ergebnis überrascht zu sein. Mark Allen zeigte sich bisher in guter Form und Shaun Murphy war im Vorfeld nicht so überragend, dass sein Weiterkommen sicher gebucht sein konnte. So war das Duell dann auch durchaus ausgeglichen und hochspannend. Relativ überraschend war für mich allerdings die Tatsache, dass Murphy den 6. Frame nach drei Fehlversuchen auf eine gut anspielbare Rote verlor.

Die Partie Stuart Bingham gegen Ding Junhui gestaltete sich erwartet mühselig. Zum zwischenzeitlichen 4-4 krauchte Ding mit einem Höchstbreak von 71, aber Bingham hatte im dritten Frame einen vielversprechenden Maximumversuch. Doch unerwarteterweise verschoss er beim Stand von 120 die Gelbe vom Spot. Danach ging es eher scrappy weiter und so war es schon früher Morgen, als Bingham endlich mit 6-4 gewann.

Am zweiten Tag buchte zurerst Judd Trump gegen Stephen Maguire seinen Viertefinalplatz. In einem spannenden Schlagabtausch setzte sich der Schotte gegen Trump nach einem 1-4 Rückstand noch mit einem Kommzurück zum 4-4 zur Wehr, musste ihn am Ende aber doch zum 6-4 ziehen lassen. Mit einer 92 erzielte Maguire das höchste Break in diesem Spiel. Trump gab am Ende zu, dass Maguires Ausgleich ihn ziemlich nervös gemacht hätte.

Abends dann Barry Hawkins gegen Joe Perry, die bisher beim Masters bisher noch nicht viel gerissen haben. Auch hier ging es ausgeglichen zu und Perry führte zwischenzeitlich 3-2, doch danach gewann er keinen Frame mehr. Es gab keine sehr hohen Breaks, sogar Hawkins‘ Maximumversuch im 7. Frame endete bei 81 Punkten. Am Ende war er zufrieden mit seinem Spiel und natürlich damit, zum ersten Mal in seiner Karriere das Viertelfinale erreicht zu haben, wo er am Donnerstag auf Mark Allen treffen wird.

Der dritte Tag wurde von Ronnie O’Sullivan und Mark Williams eingeläutet. Letzterer hat gegen The Ronald ja keine gute Statistik, aber es war auf keinen Fall eine klare Sache. Beim Stand von 2-0 für den unberechenbaren Engländer machte Williams ein Break von 64, doch O’Sullivan traf darauf spektakuläre Weise die Schwarze nicht. Der Waliser holte sich diesen und die nächsten drei Frames. Der 2-4 Rückstand schien Ressourcen bei O’Sullivan wachzurufen, die bis dahin noch nicht wirklich sichtbar waren: Er machte auf dem Weg zum 5-4 zwei schöne Centurybreaks. Williams konnte zwar noch einen Decider erzwingen und hätte das Spiel gut und gerne gewinnen können, wenn er sich nicht zu einem Kamikazestoß hätte hinreißen lassen. O’Sullivan konnte dem Druck letztendlich besser standhalten und entschied das Spiel mit 6-5 für sich. Williams meint, der bessere Spieler hätte gewonnen, O’Sullivan meint, er hätte nur Glück gehabt. Oder so ähnlich.

Abends erlebte Ricky Walden gegen Mark Selby ein Whitewash, das womöglich Erinnerungen (an das Viertelfinale 2014 gegen den späteren Sieger) geweckt haben mag. Auch wenn der Spielverlauf nicht ganz so demütigend anmutete wie damals, war es doch eine hervorragende Performance von Selby, der sich anschließend sehr selbstbewusst äußerte. („I didn’t feel like I was going to miss.“) Er trifft am Donnerstag auf Ronnie O’Sullivan.

Walden hatte durchaus Chancen, die er aber durchweg nicht konsequent nutzte. Ob es sich um Fatalismus handelte, dass er sich anschließend positiv zu seiner Leistung zeigte, können wir nicht mit Sicherheit behaupten oder abstreiten.

Im Spiel John Higgins gegen Liang Wenbo produzierte der Schotte drei Century-Breaks inklusive Maximumversuch bis 104 und kam trotzdem unter Druck. Liang war erwartet stark und konnte bis zum 4-4 gut gegenhalten. Eine 85 brachten Higgins zum 5-4, doch im letzten Frame wurde es nochmal spannend. Liang schaffte es nicht, zum Framegewinn eine verzwickte Grüne zu versenken und ließ sie für Higgins direkt vor dem Loch liegen. Der ließ sich nicht lang bitten und lochte die letzten Farben zum 6-4. Auch wenn er im Spiel einen massiven Kick hatte, der ihn den Frame kostete, lobte er anschließend die Spielbedingungen als wunderbar. Higgins spielt in der nächsten Runde gegen Stuart Bingham.

Neil Robertson gegen Marco Fu brachte das zweite Sechs zu Null in dieser Runde. Marco Fu hatte offensichtlich große Probleme, überhaupt einen Ball zu lochen, besonders die langen Bälle. Schuld daran war ein Virus, den er sich gestern eingefangen hat.

Die nächsten Partien mit Spielzeiten hier im Überblick.

Trophäe

Der Kristall-Triangel. Foto: Matt Huart, WPBSA (Klicken öffnet das Album auf Facebook.)


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

2 Gedanken zu „Masters 2016: Die erste Runde

  1. Tapioka

    Beinahe schon skandalös fand ich ja die Zustände bei Ronnies Spiel. Auch wenn das jetzt sein erster Auftritt bei einem großen Turnier in dieser Saison war, muss man als Zuschauer dennoch nicht ausrasten, als wäre gerade der Gott des Snookers zurück an die Tische gekehrt. Die unzähligen, penetrant lauten „COME ON, RONNIE“-Rufe oder auch solche Sachen wie „GET IN THERE“ in einer unfassbaren Lautstärke bei knappen Bällen sind mir schon extrem auf die Nerven gegangen (und gegenüber Mark Williams, der ja auch ein netter Kerl ist, auch nicht fair). Ich frage mich, warum der Schiedsrichter da nicht mal ein Wort gesagt hat… Ronnie hat mir auch irgendwann einen ziemlich angefressenen Eindruck gemacht.

    Das klingt jetzt ein bisschen nach typischer deutscher Meckerei. Eigentlich finde ich ein bisschen Stimmung im Saal auch richtig gut, aber was bei Ronnie stattfand, war doch ein bisschen viel – meiner Meinung nach…

    Und jetzt noch meine Kristallkugel für die nächsten Partien: Selby schlägt O’Sullivan, Allen schlägt Hawkins, Robertson schlägt Trump, Higgins schlägt Bingham. Mal sehen, wie viele Treffer ich habe ;).

  2. Lula Witzescher Artikelautor

    Ja, leider kennen manche Menschen die Grenze nicht. Heute war es genauso nervtötend.

    Von den Tipps und Treffern sprechen wir jetzt lieber nicht weiter… ;o)

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