Mark Williams nach 15 Jahren wieder Weltmeister

Higgins, Trophäe der Weltmeister, Williams
John Higgins und Mark Williams - zwei Weltmeister und ein Topf. © World Snooker/Tai Chengzhe

In einem fulminanten Finale wird Mark Williams 15 Jahre nach seinem letzten Triumph zum dritten Mal Snooker-Weltmeister und um £425 000 reicher. Mit 43 Jahren ist er der älteste Weltmeister sein Ray Reardon, der 1978 bei seinem Titelgewinn 45 Jahre alt war.

Mehr Drama am Abend als erwartet

Mit 18–16 besiegte er in einem erfrischend offensiven und abwechslungsreichen „Finale der alten Herren“ den vierfachen Weltmeister John Higgins knapper als am Nachmittag erwartet. Williams hatte in den ersten Sessions wesentlich stärker als der müde wirkende Higgins agiert und hatte zwischenzeitlich sieben Frames in Folge gewonnen. Es gab berechtigte Zweifel daran, ob Higgins sich davon erholen würde.

So war Mark Williams mit einer 15–10-Führung in die Abendsession gegangen und es fühlte sich so an, als wäre der Keks hier schon gegessen. Doch wie wir schon von Alex Higgins wissen, sollte man die Siegertorte nicht verfrüht hereinrollen. Denn zu viel Siegesgewissheit macht erfahrungsgemäß den Gegener stark. Und tatsächlich! Ein völlig verwandelter Higgins kam abends aus der Kabine und spielte erst einmal ein tolles Century. Anschließend stahl er vier Frames, obwohl Williams jedes Mal ein beinahe framegewinnendes Break vorgelegt hatte.

Erst beim Stand von 15–15 konnte Williams diesem Trend ein Ende setzen, als er den Frame mit zwei kleineren Breaks für sich entscheiden konnte. Mit einer glatten 100 sezte er sich auf 17–15 ab und hatte im 33. Frame mit Pink den Matchball am Queue. Doch er verschoss und Higgins räumte sauber ab. Was dann im nächsten Frame doch zum Sieg seines Gegners führte, beschrieb der Schotte anschließend so: „That last break from Williams was one of the best I have ever seen under pressure.“

Zwei ebenbürtige Meister in „alter Frische“

Im Vorfeld war viel vom tiefenentspannten Williams und vom John „Mann ohne Nerven“ Higgins die Rede. Und tatsächlich sahen wir anfangs einen Mark Williams, der sich scheinbar von nichts beirren ließ. Und in der Finalsession kam dann wieder der John Higgins zum Vorschein, der ungeachtet seines Rückstands eine wahre Augenweide in Sachen Konzentration, Breakbuilding und Matchplay war.

Zwischendurch zeigte er noch eine gehörige Portion Coolness. Denn im 24. Frame unternahm er allen Ernstes einen Maximumversuch – der bei der 11. Roten allerdings ein Ende fand. Diese Qualitäten müssen die nachrückenden Spieler erst einmal an den Tisch bringen, damit wir demnächst mal wieder einen Erst-Wetmeister sehen.

Last man standing (naked) – Der Weltmeister hält Wort

Worauf am Ende natürlich alle gespannt gewartet haben: Wird Mark Williams wie vorher angekündigt im Falle seines Titelgewinns nackt zur Pressekonferenz erscheinen? Wir freuen uns, als Antwort darauf den einzigen unbebilderten Tweet bringen zu können:

Wir hoffen, dass Willo sich nicht wieder gnadenlos betrinkt und die Trophäe auf dem Heimweg verbaselt. Aber im Gegensatz zum letzten Mal ist er vielleicht doch etwas erwachsener geworden. Oder seine Frau und seine zahlreichen Söhne passen ein bisschen auf den wertvollen silbernen Topf auf.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderfluent), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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