Mark Selby kämpft sich zum zweiten Titel

Foto Selby
Der Worldchampion. © World Snooker/Tai Chengzhe

Mit 18-14 gegen Ding Junhui holt sich Mark Selby zum zweiten Mal in seiner Karriere den Weltmeistertitel und beendet damit jäh die Hoffnung von Millionen Chines*innen auf einen ersten Titel für ihren berühmten Landsmann. Mit dem Titelgewinn sichert Selby sich die Nummer 1 der Weltrangliste, während Ding auf Nr. 9 vorrückt.

Die beiden lieferten sich ein großartiges Spiel, das an Twists & Turns kaum zu überbieten war. Phasenweise gab es tolles Lochspiel zu sehen, abgewechselt mit nervenzehrenden Saftety-Duellen. Gerade die Wechselhaftigkeit der Sessions hielt bis zum Ende die Spannung hoch.

Ding Junhui, der sich für die WM erst einmal mit drei Spielen qualifizieren musste, lastete die Erwartung offensichtlich ziemlich auf den Schultern. Seine Nervosität kostete ihn fast die gesamte erste Session und es stand die Gefahr eines ziemlich einseitigen Finales im Raum. Mit 6-0 war Selby furios ins Spiel gestartet und viele sahen Ding zu dem Zeitpunkt schon als geschlagen an. Aber in einem Finale über 18 Gewinnframes sagt das bekanntlich noch nicht viel und so kam der Chinese langsam doch noch ins Spiel. Zwischenzeitlich kam er sogar auf 7-8 und 10-11 heran. Da Ding erst spät anfing, sein flüssiges Spiel zu zeigen, gab es viele taktische, umkämpfte und damit lange Frames. Am frühen Montag Morgen, am Ende der zweiten Session, die sich über fast fünf Stunden hinzog, merkte man beiden die Müdigkeit an. Im letzten Frame schossen beide daneben, was das Zeug hielt.

Mit 14-11 ging es in die Abendsession. Nach einem Century-Start von Selby gewann Ding vier Frames in Folge und stellte dabei den Crucuble-Century-Rekord vom letzten Jahr (86) ein. Es war toll mitanzusehen, wie er trotz des Rückstands ganz unverzagt die Bälle anging und sich auch einen typischen Selby-Frame holte. Bei Selby war der Druck auch zu spüren, selten sah man ihn mit so vielen Frustreaktionen wie heute. Aber in den letzten beiden Frames zeigte er noch einmal, dass er durchaus auch positive Bälle spielen kann.

Nach dem Spiel fragte sich ein sehr, sehr glücklicher und erleichterter Selby, wie er das Turnier gewinnen konnte. Er gab zu, dass er ganz schön kämpfen musste und deshalb häufig negativ gespielt hätte. Aber immer, wenn es drauf ankam, konnte er seine Leistung abliefern.

Ding sagte anschließend, dass er sich zum ersten Mal im Crucible gefühlt hätte, als würde er zuhause spielen. Er sieht nach dem verlorenen Halbfinale vor fünf Jahren das Erreichen des Finales als großen Schritt vorwärts an, dem vielleicht beim nächsten Mal der Titel folgt.

Ein verdienter Weltmeister

Es wurde schon am Vortag des Finales diskutiert, wer es denn am meisten verdient hätte, Weltmeister zu werden. Ding hatte während der ganzen WM eine hervorragende Leistung gezeigt, während Selby sich häufig sehr mühen musste, um seine Spiele zu gewinnen. Zum Glück wurde der Pott am Ende aber doch demjenigen überreicht, der im Finale die beste Leistung zeigte. Manche Menschen finden das ganz furchtbar ungerecht, aber so ist das eben bei K.O.-Bedingungen: Was du gestern gezeigt hast, zählt nicht mehr. Und für diesen Titel braucht es einfach viel mehr, als schönes Snookerspiel. Du brauchst auch Nerven wie Drahtseile und die Fähigkeit, dich auf den Punkt zu konzentrieren. Das ist die große Stärke des Weltmeisters.

Es wäre sicher auch schön gewesen, endlich einen Titelträger vom asiatischen Kontinent zu haben und ich hoffe, dass Ding in einem der nächsten Jahre den Henkeltopf in die Höhe recken wird. Wir haben während der ganzen WM gesehen, wie wichtig die Erfahrung ist. Schon mal in einem Finale gestanden zu haben, ist beim nächsten Mal ein großer Vorteil.

Foto Selby mit Flagge LCFCAm Ende zollte Mark Selby dann noch seinem heimatlichen Fußballclub Leicester City Tribut, der heute die Premier League gewonnen hat. An diesem Montag hatten die wenigen Menschen aus der englischen Stadt deutlich mehr zu feiern als die vielen aus dem großen asiatischen Land. Aber dennoch können sie sehr stolz auf ihren Spieler sein, der sich in den letzten Jahren wirklich zu einem Spitzenspieler mit Charakter und Standfestigkeit entwickelt hat.

Diese WM war schon recht seltsam mit den früh ausgeschiedenen Favoriten, einem Michael Holt in der zweiten Runde, einem McManus im Halbfinale, mit bewegenden Augenblicken, als Steve Davis sein Karriereende bekannt gab…doch ließen die 17 Tage an Spannung nichts zu wünschen übrig und morgen gibt es wieder den berühmten Crucible-Kater bei mir.

Am Ende gab es noch die Nachricht, dass die Snooker-WM auch die nächsten zehn Jahre in Sheffield stattfinden wird.

Foto Ding

Ding Junhui erhält den Preis des zweiten Siegers. © Matt Huart/WPBSA


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

2 Gedanken zu „Mark Selby kämpft sich zum zweiten Titel

  1. Lula Witzescher Artikelautor

    Danke für die freundlichen Worte. Ich hoffe, ich habe im Artikel auch geschrieben, wie gut es mir gefallen hat! :o)

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