Lulas WM-Quali: Vorfreude pur!

Ich bin bereit: Offline-Notebook, Devotionalien, Nervennahrung (2 kg Marzipan/Schokotrüffel)
Ich bin bereit: Offline-Notebook, Devotionalien, Nervennahrung (2 kg Marzipan/Schokotrüffel) © Lula Witzescher

Jedes Jahr wieder: Es ist Montag und alle warten auf die Auslosung der Qualifikationsrunden. Ein entscheidendes Weltranglistenturnier wie die China Open so knapp vor die WM-Quali zu terminieren, mag nicht gerade schlau erscheinen. Besonders wenn man das Rätsel noch nicht gelöst hat, warum World Snooker immer so verdammt lange braucht, um diese paar Partien auszulosen. Kaum war der Spielplan endlich veröffentlicht und die Spieler wild dabei, Flüge und Hotels zu buchen und umzubuchen, entspann sich die immergleiche Diskussion um die heißesten Themen, die wir alle nur diskutieren, weil es ja verdammt nochmal erst am Mittwoch losgeht und wir bis dahin noch irre werden vom Rumhibbeln in den Startlöchern. Also stürzten wir uns als Erstes auf die Wildcards.

Die PTC-Ausrichter durften im Vorfeld jeweils einen U-25-Spieler nominieren. Während ich mich freue, dass auf diesem Weg Lukas Kleckers den Weg nach Sheffield gefunden hat, echauffieren sich andere über ebenso wohlklingende wie unbekannte Namen: Ivaylo Pekov zum Beispiel. Oder Rodion Judin. Wer das denn sei? Was die da sollten? „Kanonenfutter“ wird gerufen, „Erstrunden-Tschüß“. Klar werden diese Jungs es wohl nicht ins Crucible schaffen, aber offensichtlich wollte Stephen Hendry seinen Platz ja nicht haben. Allerdings kann ich die Kritik an der mangelnden Transparenz der Kriterien verstehen. Daran könnte man etwas ändern, wenn man denn Interesse daran hätte.

Das Format der Qualirunden war natürlich auch ein großes Thema. Für alle, die nur einmal im Jahr Snooker gucken und bis zum nächsten Mal alles vergessen, sei gesagt: Wie in den letzten Jahren auch, werden die Qualifikationsspiele im Best-of-19 Modus, also in zwei Sessions, gespielt. Was sich dieses Jahr allerdings geändert hat und was ich unlogisch und unfair finde: Alle Spieler_innen außerhalb der Top 16 müssen alle Qualifikationsrunden spielen. Bis zur Endrunde im Crucible muss also die Nr. 17 der Weltrangliste genauso drei Spiele gewinnen wie einer der glücklichen oben erwähnten Nobodys und Reanne Evans. Es gibt keine Abstufung mehr, dass die höher platzierten Spieler erst später in die Quali einsteigen. Dadurch wird der Vorteil für die Top 16 noch größer – unverhältnismäßig groß.

Der letze Aufreger waren wie immer die Spiele an den Kameratischen. WAS? Es gibt während der Quali keinen Kommentar? Und nur die fixe Kamera? Wieso wird denn das Spiel von [hier x-beliebigen Spielernamen einsetzen] nicht gezeigt? Bei der Auswahl der Spiele gibt es normalerweise ja die feste Regel: „Wir zeigen Judd Trump. Außer er spielt gegen Murphy. Dann zeigen wir Shaun Murphy.“ Nun ist aber Judd Trump in der Quali gar nicht dabei. Also hat man eine andere Regel genommen. Die kennen wir nur nicht. Wir wissen nur, dass sie keinen Sinn macht. Aber darüber kann sich meine geneigte Leserschaft selber ein Urteil bilden: Hier findet ihr die Übersicht über die Partien.

Matches to watch

Ich werde natürlich alle Spieler_innen, auf die wir hier ein Auge haben, mit Adlerinnenaugen beobachten. Zudem diejenigen, von denen ich aus völlig subjektiven Gründen Fan bin.

Mittwoch:

11 Uhr/20 Uhr: Jamie Jones – Ashley Carty: Hau rein, Ashley! [Endergebnis 10-3]
15:30 Uhr: Ben Woolaston – Sean O’Sullivan (2. Session am Donnerstag, 15:30 Uhr): Anlässlich seiner Rückkehr auf die Main Tour in der nächsten Saison könnte Sean The Storm für meinen Teil gerne einen völlig überraschenden Durchmarsch machen. [Zwischenergebnis 6-3]
15:30 Uhr: Alan McManus – Michael Wasley (2. Session am Donnerstag, 15:30 Uhr): Beide hatten im letzten Jahr einen guten Lauf, der sich bitte nicht bei beiden wiederholen möge. Denn da McManus bei der BBC nicht kommentiert, möchte ich ihn stattdessen so lange wie möglich am Tisch sehen. Ich denke, er packt dieses Mal mehr als eine Hose ein. [Zwischenergebnis 7-2]

Donnerstag:

11 Uhr/20 Uhr: Dark Mavis – Joe O’Connor: Hierzu muss die Dark-Mavis-Lady ja wohl nix sagen.
11 Uhr/20 Uhr: Ken DohertyReanne Evans: Wenigstens eins „meiner“ Spiele findet auf einem der Kameratische statt. Ich finde es extrem bedauerlich, dass Reanne, die ich natürlich liebend gerne in der nächsten Runde sehen würde, ausgerechnet Ken Doherty als Gegner erwischt hat. Nicht nur, dass ich ein großer Fan des Iren bin, er könnte schlicht eine Nummer zu groß für die 10fache Weltmeisterin sein.

Freitag:

habe ich entweder frei oder ich hoppe mal so zwischen den ehemaligen Weltmeistern und Vizeweltmeistern hin und her, wenn ich nicht Hitman Holt im Ergebnisticker verfolge.

Samstag:

11 Uhr/20 Uhr: Noppon Saengkham – Lukas Kleckers: Bei der U-21-EM in Malta war Lukas schon ganz nah dran an seinem Ziel, auf die Main-Tour zu kommen. Dafür hätte er das Turnier gewinnen müssen, scheiterte aber leider im Halbfinale mit 4-5 am späteren Europameister Darryl Hill. Sein Weg auf die Tour ist damit wieder erheblich länger geworden und es wird gut für ihn sein, hier Matchpraxis gegen starke Gegner zu sammeln. Direkt nach der EM ist er nach Sheffield gereist, um sich an der Snooker Academy auf die WM-Qualifikation vorzubereiten. Das Trainingsprogramm unterscheidet sich dabei nicht groß von dem vor der WM. Allerdings hat er in den letzten Tagen die langen Distanzen gespielt, weil er die von anderen Turnieren nicht gewohnt ist. Über seine Chancen sagt er: „Ich mache mir keine großen Gedanken, was das Endergebnis sein könnte – ich versuche nur, mein Spiel zu spielen. Es ist alles möglich.“

PS: Die Abwesenheit von Dave Harold wurde von einigen sehr bedauert, besonders weil er so ein “lovely lovely man” beziehungsweise “a genuinely nice guy” sei. Ok, er kann nicht antreten, weil er gebrochene Rippen hat. Hiervon.

Als die Weiße an der Roten vorbeiging, ohne sie überhaupt zu berühren, wusste ich, dass ich bisher nicht genug Ehrfurcht vor den Spielerinnen hatte.

Als die Weiße an der Roten vorbeiging, ohne sie überhaupt nur zu berühren, wusste ich, dass ich bisher nicht genug Ehrfurcht gehabt hatte. © Lula Witzescher


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher