Kurze Nacht im Tempodrom

Selt versucht aus kniffligem Snooker zu entkommen
Das war ein kniffliger Snooker, den Clarke dem Selt hier gelegt hat. © Lula Witzescher

Wir hatten uns angesichts der Partien mit Nigel Bond und Akani Songsermsawad, die ja zu den langsamsten Spielern der Tour gehörten, schon auf nachmitternächtliches Snooker eingestellt, aber um viertel vor zwölf waren alle durch.

Kaum knappe Sachen in Runde eins

Mit drei Whitewasches (Brecel–Perry, Songsermsawad–Grace und Selt–Clarke), zwei 5–1 (Georgiou–Greene, Trump–Saengkham) und zwei 5–2 (Bond–Hirani, Williams–Yuan) waren die Ergebnisse größtenteils deutlich. Nur Graeme Dott gewann gegen Tian Pengfei erst im Entscheidungsframe – nachdem Tian das ganze Spiel lang vorne gelegen hatte.

Das Leiden am Tisch

Jamie Clarke hat gegen Matt Selt eigentlich sehr gut mitgespielt und dabei einige beeindruckende Long Pots, aber auch knifflige Snooker gezeigt. Zwei Frames verlor er erst auf Schwarz und in allen anderen hatte er gute Chancen. Er konnte einem schon leid tun.

Auch das Spiel meiner Wahl am Abend hat mir fast körperliche Schmerzen bereitet. Bei David Grace ging daneben, was daneben gehen konnte und Akani Songsermsawad spielte wirklich gutes Snooker. Auch hier scheint das 5–0 etwas hoch, aber letztendlich doch gerechtfertigt. Im vierten Frame ging Grace mehrmals hohes Risiko, was schon etwas verzweifelt wirkte. Aber wenn du so zurückliegst, versuchst du halt alles. Nur ging das dann auch schief.

Aber auch an einem anderen Tisch lief es nicht gut: Joe Perry lochte nicht nur nichts, sondern legte Luca Brecel dabei ordentlich etwas hin. Insgesamt machte Perry in den fünf Frames 69 Punkte. Er meinte selber, er hätte es Brecel etwas schwerer machen können.

Gute Nachrichten: Mehr Nerds am Mittwoch

Es hat mich gefreut zu sehen, dass sich doch wieder etwas mehr Leute schon zu den frühen Runden ins Tempodrom aufgemacht haben. Dieser Eindruck wurde mir auch vom Veranstalter bestätigt: 4% mehr Tickets wurden dieses Jahr verkauft. Auch wenn das noch nicht der Boom ist, von dem immer alle sprechen, ist das doch ein gutes Zeichen. In den ersten Tagen versammeln sich ja mehr die Puristen und Nerds der Snookergemeinde, also Leute, die sich auch sonst jedes aus dem Hobbykeller gestreamte Match angucken würden. Ich war also in guter Gesellschaft!

Was den Ruf des deutschen Publikums als „Vielklatscher“ betrifft: Ich habe gestern auf die Uhr geschaut. Es hat sieben Minuten gedauert, bis überhaupt das erste Mal geklatscht wurde, danach war zehn Minuten völlige Stille im Publikum (vom Husten mal abgesehen). Das Beklatschen jedes versenkten Balles setzte erst am Ende der Partie Dott-Tian ein, als wahrscheinlich alle ihrer Erleichterung Luft machen wollten, dass es dort endlich dem Ende zuging.

Langer Tag unter der Zirkuskuppel

Heute wird auf alle Fälle unser Durchhaltevermögen mehr gefordert. Um 10 Uhr und um um 15 Uhr laufen die letzten acht Spiele aus Runde ein. Mich findet ihr am Tisch von Ursenbacher–Mann, nachmittags bei Zhao–McGill.

Am Abend beginnt dann schon die zweite Runde. Hier sitze ich auf alle Fälle bei Brecel–Trump mit einem Auge auf Georgiou-Songsermsawad. Wenn es geht, tweete ich heute live vom SnookerPRO-Konto.

Alle Spielpaarungen, -zeiten und (Zwischen)Ergebnisse wie immer auf unserer Turnierseite.

Mehr Live-Tweets von gestern:

 

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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