Ein königliches Comeback, drei Decider und ein Maximum

Ford Maximum GM 2017
Ein hinter dem großen Schiedsrichter verborgener Tom Ford locht Schwarz zur 147. © Lula Witzescher

Das ging ja gut los heute beim German Masters 2017 im Tempodrom. Besonders die Abendsession hatte es in sich, als Mark King am TV-Tisch von 1-4 hinten liegend Ronnie O’Sullivan 5-4 schlagen konnte. Von den Kameras nahezu unbemerkt, machte Tom Ford am Nebentisch gegen Peter Ebdon sein drittes Karrieremaximum-Break.

Der Titelverteidiger stürmt in die nächste Runde

Am Vormittag gewann der Titelverteidiger nach 15 Minuten den ersten Frame des Tages und auch das erste Century-Break geht auf sein Konto. Insgesamt ließ Martin Gould dem desolaten Jamie Jones keine Chance und gewann mit Whitewash. Hoffentlich war daran nicht die Currywurst Schuld, die Jamie heute gegessen hat. Stephen Maguire kämpfte lange und vergeblich gegen die (zu) deutliche Niederlage gegen Ali Carter, der mit 5-1 in die nächste Runde einzog.

Jimmy White GM 2017

Jimmy ging 4 Mal in Führung – und verlor trotzdem.

Wie angekündigt saß ich am Tisch von Robin Hull gegen Jimmy White, die sich durch den ersten Frame krepelten, als müssten sie sich erst warmspielen. White entscheidet ihn für sich, doch Hull glich im nächsten Frame aus. Unentschieden ging es auch in die Pause und anschließend im regelmäßigen Gleichschritt weiter. Den Frame vor dem ersten Decider gewann der Finne mit einem Century-Break von 125. Bis hierhin sahen wir tolle Einsteiger von ihm, ebenso schöne Stöße mit dem Hilfqueue, doch fand Hull sich immer wieder in suboptimalen Stellungen wieder, was zu häufig zu verschossenen Bällen führte. Jimmy White ging es nicht besser, auch bei ihm fiellen Schwarze vom Punkt nicht und leichte Rote wobbelten in der Tasche. In zwei Anläufen holte Robin Hull sich den entscheidenden Frame und Jimmy tat mir ein wenig leid. Hochachtung, dass er sich nach dem gestrigen Unglück mit seiner ausgebrannten Wohnung überhaupt hier so gut geschlagen hat.

Drama am Abend

Während Mark Allen recht sang- und klanglos 1-5 gegen Ryan Day verlor und Zhao Xintong Akani Songsermsawad das zweite Whitewash des Tages bescherte, deuteten sich an den anderen drei Tischen scheinbar klare Ergebnisse an: Zur Pause stand es bei Ricky Walden gegen John Astley sowie bei Ronald O’Sullivan gegen Mark King 3-1, bei Tom Ford gegen Peter Ebdon sogar 4-0.

Am TV-Tisch sahen wir zwar O’Sullivan zum 4-1 davonziehen, doch dann robbte sich King Frame für Frame heran. O’Sullivan spielte sogar weiter, als er schon vier Snooker brauchte. Wir können also nicht behaupten, er hätte keine Lust gehabt. Seine Fehlerquote war gegen den zähen King heute einfach zu hoch. Im entscheidenden Frame verschossen beide lustig Rote, versenkten den Spielball und konnten Pink auf dem schwarzen Spot nicht einlochen. Zwischen die vereinzelten Come on, Ronnie-Rufe mischten sich mehr und mehr Go, Mark-Anfeuerungen. Am Ende war eine von O’Sullivans Safeties nicht safe genug und King holte sich einen Sieg, über den er sich ganz sichtlich freute.

Überraschenderweise ist es nicht das Ebdon-Spiel, das uns zum nachmitternächtlichen Ausharren zwingt. Obwohl er in üblicher „Ich weiß nie, wann ich aufgeben sollte“ noch ein 2-4 erkämpft, gewinnt doch Ford den siebten Frame zum Sieg. Im zweiten Frame war ich sehr froh, dass ich, obwohl ich eigentlich das andere Spiel beobachten wollte, an diesem Tisch Platz genommen hatte. Denn auch in diesem Jahr war es uns im Tempodrom vergönnt, ein Maximum live zu erleben. Nachdem ich bei 80 Punkten schnell durchgerechnet hatte, startete ich eine Fotoserie, doch für die letzten Bälle unter Applaus kam auch der Eurosport-Kameramann dazu. Ein tolles Erlebnis!

Am fünften Tisch kann John Astley seinen Rückstand tatsächlich noch in eine 4-3-Führung verwandeln, doch Walden schafft das Kontra-Kommzurück und um halb eins dürfen die restlichen fünfundzwanzig Zuschauer, die nicht schon trampelnd und laut palavernd nach dem Ende des Ronnie-Spiels den Saal verlassen haben, auch nach Hause gehen.

Überraschung

Als ich das Programmheft durchblätterte, stellte ich erfreut fest, dass das Interview mit mir tatsächlich in voller Größe …ähhh… Länge erschienen ist. Sobald es mir möglich ist, lade ich es hier hoch. Herzlichen Dank an TC von SnookerStars, dass er mir die Möglichkeit geboten hat, mich und SnookerPRO dort vorzustellen. Und danke an meinen Gastautoren Dirk, der das Interview geführt hat.

O'Sullivan GM 2017

Egal wie schön lang er sich hier macht – am Ende hat’s nicht gelangt für The Rocket.


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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