Jordan Brown gewinnt Welsh Open Titel in Newport

Jordan Brown, am rechten Bildrand zu sehen, ballt seine Hand zur Faust als ihm klar wird, dass er den Decider und damit die Welsh Open 2021 gewonnen hat.
Jordan Brown feiert sich als der Decider sicher ist. © World Snooker/Tai Chengzhe

Weltmeister Ronnie O‘Sullivan und Final-Debütant Jordan Brown standen sich im Finale der Welsh Open 2021 gegenüber. Es war ein typisches David gegen Goliath Match, in dem Außenseiter Jordan Brown starke Nerven zeigte und ein enges Match im Decider und somit seinen ersten Titel gewann.

Finaleinzug einmal dank guter Nerven, einmal durch Dominanz

Vor drei Wochen beim German Masters gelang Jordan Brown erstmals der Einzug in ein Viertelfinale eines Ranglistenturniers. Mit einem nervenstarken 5–4-Sieg auf die letzte Schwarze im Viertelfinale gegen Selby und einem sehr souveränen 6–1 im Halbfinale gegen Maguire konnte er nun auch eine erstmalige Finalteilnahme folgen lassen.

Jordan Brown gewann viele seiner Matches auf dem Weg zum Welsh Open Finale im Decider. Ronnie O‘Sullivan hatte hingegen kaum Zeit am Matchtisch verbracht. Da Carter gesundheitsbedingt kurzfristig das Viertelfinale absagen musste, hatte O‘Sullivan ein Match weniger gespielt. Alle seine Matches hatte er dominiert und insgesamt auch nur zwei Frames abgegeben: einen gegen Zhou Yuelong und einen gegen Mark Williams im Halbfinale. Infolgedessen rechneten viele vor dem Finale mit einem sehr deutlichen Sieg für O‘Sullivan.

Besserer Start für den Außenseiter

Im ersten Frame des Finals hatten beide Spieler einige Chancen. Sie konnten sie jedoch nicht nutzen. Am Ende entschied der Außenseiter den Frame für sich, nachdem O‘Sullivan es nicht gelang, im Safespiel auf Gelb nötige Foulpunkte zu bekommen. Im zweiten Frame bestrafte Brown einen frühen Fehler von O‘Sullivan. Er ging somit 2–0 in Führung. Die Gefahr, dass Ronnie O‘Sullivan im Finale ähnlich durchmarschieren würde wie in den Runden zuvor, schien gebannt. Durch ein schnelles Break und einen Fluke zum geeigneten Zeitpunkt verkürzte er . Im Anschluss gelang es Brown dann seinen Vorsprung von zwei Frames zur Pause wiederherzustellen.

Wurden die Frames vor dem Interval noch durch kleinere Breaks aus mehreren Chancen heraus gewonnen, sollte sich das nach der Pause ändern. Eine gute Safety von Brown brachte O‘Sullivan in Schwierigkeiten. Er entkam zwar dem Snooker, ließ jedoch einen Einsteiger für Brown. Dieser spielte aus der Chance ein Century von 107 Punkten und ging 4–1 in Führung.

Im folgenden Frame bekam O‘Sullivan mal wieder die Chance auf ein höheres Break. Nach einem Shot to Nothing von Brown, blieb eine Rote direkt in der Nähe der Tasche liegen. O‘Sullivan bedankte sich mit einer 135. Schwarz für die komplettierte Total Clearance verschoss er jedoch. Dank einer 121 im Frame darauf, konnte O‘Sullivan bis auf 3–4 herankommen. Der letzte Frame der Session war abermals sehr umkämpft. Beiden Spielern unterliefen einige Fehler im Loch- und Stellungsspiel. Am Ende spielte Jordan Brown eine gute Clearance nach einem Safefehler von O‘Sullivan. Das resultierte in überraschende 5–3 Führung für den Underdog.

Beide auf Augenhöhe am Abend

In die Abendsession starteten beide etwas nervös. Kam einer von beiden ins Break, war die Stellung schnell verloren. O‘Sullivan verschoss einige unerwartete Bälle, hielt sich aber mit guten Safties im Frame. Schließlich gewann er so den Frame und verkürzte. Im folgenden Frame lief es dann wieder flüssig. In Windeseile hatte O‘Sullivan ihn aus einer Chance heraus gewonnen. Damit gelang ihm erstmals wieder der Ausgleich: 5–5.

Jordan Brown schien langsam nervös zu werden. Im elften Frame verschoss O‘Sullivan einen langen Einsteiger und ließ die Rote für Brown vor der Tasche liegen. Doch auch Brown verschoss. Er bekam noch eine weitere Chance konnte aber auch diese nicht nutzen. Damit ging O‘Sullivan zum ersten Mal im Finale in Führung. Im letzten Frame vor der Pause konnte Brown dann wieder die Nervenstärke unter Beweis stellen, die ihn ins Finale gebracht hatte. Er ging zunächst im Frame in Führung, musste dann aber eine Safety spielen. Durch Hit and Hope versuchte O‘Sullivan dem gelegten Snooker zu entkommen. Das gelang, doch es blieb eine Chance für Brown liegen. Zwar verpasste er sie, doch auch Ronnie O‘Sullivan konnte die Chance zum Steal nicht nutzen. Am Ende lochte Brown eine starke Grüne und es stand 6–6 zur Pause.

Jordan Brown zeigte die besseren Nerven im Krimi

Auch nach dem Midsession Interval konnte sich keiner absetzen. Jordan Brown ging wieder in Führung, doch mit einem schnellen Break gelang Ronnie O‘Sullivan der direkte Ausgleich. Im fünfzehnten Frame erabeitete sich Brown durch eine gute Safety die erste Chance, doch verschoss dann Grün. Doch dann zeigte O‘Sullivan plötzlich nerven, nach 25 Punkten im Break verschoss er eine leichte Pinke. Diesen Fehler wusste Brown zu bestrafen. Es stand 8–7. Ihm fehlte nur noch ein Frame zum Titelgewinn. Glück bei einer Safety führte im folgenden Frame zu einer frühen Chance für O‘Sullivan. Es folgte ein untypisches O‘Sullivan-Break. Nichts in diesem Break sah einfach aus. Ständig kämpfte er um die Fortsetzung des Breaks. Ganz besonders die Blaue über nahezu die gesamte Diagonale des Tisches war herausragend. Damit erreichte er den Decider.

Die erste Chance im Decider ging an den Favoriten: Ronnie O‘Sullivan verschoss die Rote zwar, aber nach einigen Umwegen fand sie noch eine Tasche. Jordan Brown war schon aufgestanden und zum Tisch gelaufen, musste dann aber enttäuscht zu seinem Platz zurückkehren. Doch nicht für lange: Dieses Mal konnte O‘Sullivan die lange Blaue nicht lochen. Eine gute Chance für Jordan Brown. Wäre da nur nicht der geringfügige Druck des Deciders in seinem ersten Finale. Doch Brown hielt dem Stand. Nach dem Split verlor er kurz nochmal die perfekte Stellung, konnte sich aber mit ein paar starken Bällen im Break halten. O‘Sullivan bekam keine weitere Chance. Jordan Brown gewann den Decider und holte sich damit bei den Welsh Open den ersten Sieg bei einem Ranglistenturnier.

Klassenfahrt nach Wales

Nach vielen Monaten Snooker aus der Marshall Arena in Milton Keynes gönnte sich die Main Tour einen Ausflug ins Celtic Manor nach Newport in Wales. Das bot auch am Fernsehbildschirm mal ein bisschen Abwechslung. Anstatt der dunklen Vorhänge, die bei jedem Turnier mit andersfarbigen Lichtkugeln dekoriert wurden, erspähte man nun hinter dem gewöhnlichen grauen Teppich und der Bandenwerbung eine elegante dunkle Holzvertäfelung. Zum rustikalen Charme trug dabei auch bei, dass man in der ein oder anderen Kameraeinstellung auch ein paar Kabel im Hintergrund sehen konnte. Herrlich unperfekt.

Fast noch toller als die beiden Haupttische waren die sechs Nebentische, die von Montag bis Donnerstag im Einsatz waren. Egal in welcher Spielstätte, sie sehen eigentlich immer trist, dunkel und völlig ununterscheidbar aus. Aber auch das war bei diesen Welsh Open anders. Statt dunkelgrau war der Teppich dunkelrot und gemustert. Quasi die keltische Version des Orientteppichs. Unter normalen Umständen hätte ich über einen solchen irritierenden Hintergrund vermutlich geschimpft. Doch jedes bisschen Abwechslung und Einzigartigkeit im Snooker ist gerade sehr gern gesehen.

Nicht alle begeistert vom Tapetenwechsel

Der Topfavorit vor Turnierbeginn, Judd Trump, schied in der 3. Runde gegen Hossein Vafaei aus. Wie schon nach seinen beiden Siegen in den Runden zuvor, klagte er über die Bedingungen im Celtic Manor. Die Luftfeuchtigkeit sei hoch und die Tische langsam und schwer zu spielen. Natürlich sind die Bedingungen für alle gleich. Nach seinem Aus gegen Zhou Yuelong scherzte Gilbert, nach den schwierigen Bedingungen gefragt:

Aber es ist natürlich nicht auszuschließen, dass manche Spielweise von den ein oder anderen Bedingungen profitiert. Insofern ist es ja vielleicht nur fair, dass die Tour mal einen Abstecher ins chinesisch-feuchte Südwales gemacht hat. Und Judd kann beruhigt sein: Sein Auftaktmatch bei der Players Championship darf er morgen Abend wieder in Milton Keynes spielen.

Abseits des Tisches sorgte Scott Donaldson für Lacher

Am Mittwoch sorgte Scott Donaldson mit einer Geschichte auf Twitter für Erheiterung. Er berichtete, sich nur in einer gelben Boxershorts bekleidet aus dem Hotelzimmer ausgesperrt zu haben, als er das bestellte Essen reinholen wollte. Er überlegte, ob er in dem Aufzug wirklich zur Rezeption gehen und um Hilfe fragen wollte. Dann winkte er wild Pang Junxu über den Gang hinweg zu. Dieser kam Donaldson aber nicht zu Hilfe, sondern flüchtete in sein Zimmer. Am Ende stellte sich heraus, dass er auf den Überwachungsvideos zu sehen war und Hilfe war im Anmarsch. In den Antworten unter diesem Tweet könnt ihr die ganze Geschichte selbst nachlesen.

 

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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