Gould und Brecel ziehen ins Finale im Tempodrom ein

Publikum HF
Zum Halbfinale war die Hütte voll bis unters Dach. © Lula Witzescher

Ein Snookertisch in der Mitte und fast 2.500 elektrisierte Zuschauer drumherum: das ist das Szenario beim Halbfinale des German Masters im ausverkauftem Berliner Tempodrom.

Es waren nicht die hochklassigen Partien, die die Snookerfans zu sehen bekamen, aber zwei verdiente Sieger dürfen darauf hoffen, morgen ihren ersten Finalsieg in einem Weltranglisten-Turnier zu feiern. Ein Bericht von Dirk Thomas

Martin Gould schlägt einen enttäuschenden Graeme Dott

Gould HFBeide gehörten schon mal zum erlauchten Kreis der Top16 im Snookerzirkus. Der Start ins Match war nicht unbedingt das, was der durchschnittliche Zuschauer besonders bevorzugen würde: ein rassiges Safety-Duell auf Weltklasse-Niveau. Keine großen Breaks, dafür großartiges „Versteckspiel“ mit dem Spielball. Martin Gould entschied den 30-Minuten-Frame schließlich für sich. In Frame 2 legte er mit einer 46 vor, Dott ließ anschließend Blau vor der Mitteltasche „verhungern“ und der Londoner machte mit einer 36 den Frame sicher. Auch danach behielt der „Pinner Potter“ die Nerven und die Oberhand und zog auf 3-0 davon. Bevor es in die Pause ging, sah es so aus als käme der Schotte endlich ins Spiel, wenn man jedoch auf diesem Niveau bei 32 eine Schwarze vom Spot verschießt, muss man sich nicht wundern, dass der Gegner einen mit einem 85er Break und einem Rückstand von 4-0 ins Midsession-Interval schickt.
Nach der Pause ein ähnliches Bild, nur dass Gould die Angebote, die Dott ihm machte, nicht mehr konsequent ausnutzte. Dott verkürzte in drei Anläufen auf 4-1, doch Gould stellte den alten Abstand, eingeleitet mit einem starken Einsteiger von der Bande, wieder her. Und weiter ging’s in Eichhörnchen-Marnier: Dott sammelte ein paar Punkte ein, bis wieder was dazwischen kam, holt so aber den nächsten Frame. Klein-klein auch in Frame 8, nach nervenaufreibendem Kampf lochte Martin Gould schließlich Pink zum Einzug ins Finale.

Er äußerte sich anschließend sehr erleichtert. Das Beste an dem Spiel sei gewesen, dass er als Erster sechs Frames gewonnen hätte. Das One-Table-Setup in Verbindung mit dem Publikum hat bei ihm Gänsehaut hervorgerufen. Er bedankte sich dafür ausdrücklich bei den deutschen Fans: „Außerdem habe ich viele Nachrichten mit Glückwünschen bekommen. Ich kann mich gar nicht genug für die tolle Unterstützung bedanken.“

Das Duell der „Youngsters“ im 2. Halbfinale

Kyren Wilson, der „Comeback-King“ dieses Turniers, trat an gegen Luca Brecel, das 20jährige Jung-Talent aus Belgien. – so war es nicht verwunderlich, dass von vornherein alles attackiert wurde, was nur irgendwie lochbar erschien. Jeder durfte mehrfach ran, jeder lochte spektakuläre Bälle, aber keiner der beiden kam in ein Break hinein. So fiel die Entscheidung zu Gunsten von Brecel erst nach knapp 45 Minuten auf Schwarz. Danach nahm der Belgier Fahrt auf und gewann mit drei Breaks in Folge, um es mit zwei Breaks im dritten Frame noch klarer zu gestalten. Zur Pause verkürzte Kyren Wilson dann auf 3-1.

Auch nach dem Interval blieb es dabei: spektakuläre Bälle – Wilson lochte gleich zwei Cross-Doubles im Frame 5 – und leichte Fehler machten ein flüssiges Spiel unmöglich. Abwechselnd gewann jeder zwei Frames. Im Endspiel auf die Farben verschoss Kyren Wilson nach einem Kick eine extrem dünne Grüne und Luca Brecel räumte bis Pink ab und steht morgen in seinem ersten Finale eines Weltranglisten-Turniers.

Das Finale wir am Sonntag in zwei Sessions ausgespielt. Wer nach 9 gewonnenen Frames zum neuen German-Masters-Champion gekürt wird, entscheidet sich dann am späten Sonntagabend.

Alle Fotos: © Lula Witzescher

Eurosport-Experten

Ronnie O’Sullivan, Jimmy White und Neal Foulds als Experten bei Eurosport vor dem Abendspiel.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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