German Masters, 3. Tag: Vierfacher Decideralarm und ein Maximum

Liang Wenbo
Liang Wenbo muss gar nicht so kritisch gucken, denn er erreicht das Halbfinale. Links im Bild Schiedsrichter Alex Crisan.

War das ein Abend! Vor gefühlten 100 Jahren gab es so etwas das letzte Mal*: Alle vier Viertelfinalpartien wurden erst im Decider entschieden! Und das Ganze garniert mit einem wunderbaren Maximumbreak von Judd Trump

Doch der Reihe nach. Erst mussten wir den Nachmittag hinter uns bringen, an dem das Viertelfinalfeld sich komplettierte. Ronald O’Sullivan hatte seine 5:0-Klatsche gegen Joe Perry um 15:30 Uhr eingetütet und konnte sich schon mal ein gutes Thai-Restaurant suchen gehen. Eine Stunde später war Ryan Day auch mit Alfie Burden fertig, der sich tapfer zur Wehr gesetzt hatte. Im letzten Frame snookerte er sich erst einmal so perfekt, dass er mit dem extended spider zwei Versuche brauchte, um sich zu befreien und anschließend lochte er den Spielball. Insgesamt hat er viele Chancen nicht genutzt und verlor deshalb folgerichtig mit 5:2.

Murphy, Allen

Allen ahnt schon etwas.

Mark Allen und Shaun Murphy strapazierten anschließend schon mal meine Nerven, wohl damit ich für abends in Form komme. Nachdem Murphy seine 3:0-Führung in einen 3:4 Rückstand verwandelt hatte, schien im 8. Frame das Spiel schon für Allen entschieden. Murphy holte sich aber die benötigten Foulpunkte und glich zum 4:4 aus. Den 9. Frame entschied er dann mit einem 76er Break für sich.

Auch bei Stuart Bingham gegen Liang Wenbo ging es in den Entscheidungsframe, in dem sie sich eine gepflegte Safety-Auseinandersetzung lieferten, in der Liang am Ende die Nase vorn hatte.

Abends dann das Viertelfinale

Ryan Day und Liang Wenbo bewegen sich recht ausgeglichen auf das 4:4 zu und spielen dabei Breaks von 132, 91 (Day) und 90 (Liang). Im Decider macht Day noch einen Punkt, das reicht nicht zum Einzug ins Halbfinale. Trotzdem muss ich sagen, dass mir sein solider Auftritt hier in Berlin gut gefallen hat.

Mark Selby und Judd Trump spielen auch so vor sich hin und hauen sich abwechselnd die Ü80-Breaks bis zum 2:2 um die Ohren. Nach der Pause dann das Maximum, das ich fast verpasse, weil ich so gebannt auf den Tisch direkt vor mir schaue. Aber ein Blick auf den Spielstand – eine 120 bei noch allen Farben auf dem Tisch – und die wachsende Unruhe im Publikum lassen mir endlich ein Licht aufgehen. Mein erstes Live-Maximum! Es ist schon ein tolles Erlebnis. Zum Glück ist das Tempodrom mittlerweile ziemlich gut besetzt und dementsprechend eindrucksvoll ist auch der Alarm, den das Publikum macht. Auch sie gehen über die volle Distanz. Trump nimmt das Selbstbewusstsein des Maxikönigs des Turniers mit, Selby spielt dafür nach seinem 5:4-Sieg im Halbfinale.

Am TV-Tisch dann das Déjà-vu vom Nachmittag: Shaun Murphy tauscht seine 2:0-Führung über Ronald O’Sullivan durch Tischabwesenheit gegen einen 2:4-Rückstand und krebst sich dann bis zum 4:4. Hier scheint der Ronald alles in Sack und Tüten zu haben, aber beim Stand von 65:33 bei 35 Punkten noch auf dem Tisch verschießt er eine Rote mit Links. Vielleicht hätte er hier lieber zum Hilfqueue gegriffen. Murphy locht alles inklusive Schwarz und der Ronald darf für den Rest des Turniers wieder bei Eurosport der geistreiche und entspannte Experte an Jimmy Whites und Neil Foulds Seite sein.

Die Letzten, die hinter sich das Licht ausknipsen müssen, sind heute Abend Neil Robertson und Stephen Maguire. Böse Zungen twittern, das sei wohl „Ebdon im Robertsonkostüm“, aber ich finde, knifflige Snooker löst man nicht in 19 Sekunden Durchschnittszeit für einen Stoß. Gut unterhalten sehe ich auch hier einen fast schon sicheren Sieger aus Australien, denn Maguire braucht im Entscheidungsframe 5 Foulpunkte. Robertson, der an diesem Abend sicherlich den Rekord im Spielballversenken gebrochen hat, entscheidet sich für eine Abwechslung und versenkt fälschlicherweise Schwarz. Maguire verstellt sich zwar anschließend noch voll blöd auf Braun, locht aber trotzdem und geht mit seinem 5:4 zufrieden nachhause.

Für mich war das unter Umständen das letzte Spiel im Tempodrom für dieses Jahr, aber wer weiß – vielleicht hilft mir meine neue T-Shirt gestützte mediale Berühmtheit und ich schaue doch noch eine der verbleibenden Sessions. Jetzt, wo sogar die Springerpresse die Dark-Mavis-Lady entdeckt hat (am 6.2. um 0:15 Uhr im Ticker), darf sie doch nicht mehr fehlen, oder? Was sagt ihr?

Das Halbfinale

Liang Wenbo – Shaun Murphy: Samstag, 13 Uhr
Stephen Maguire – Mark Selby: Samstag, 20 Uhr


*Asian Classic, 1996 – wenn ich Matt vom prosnookerblog.com Glauben schenken darf.


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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2 Gedanken zu „German Masters, 3. Tag: Vierfacher Decideralarm und ein Maximum

  1. Birgit

    Liebe Lula,
    danke für Deinen Bericht, konnte leider nix gucken. Ich drücke die Daumen, dass Du noch Einlass ins Tempodrom findest!

  2. Lula Witzescher Artikelautor

    Danke, liebe Birgit,
    ich hoffe, meine Berichte können das Loch überbrücken! Und danke für die Wünsche, ich kann dir sagen: Es sieht gut aus für heute Abend.
    Gruß, Lula

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