Es gibt keine Kleinen bei der Snooker WM

Jack Lisowski, Snooker WM 2018
Jack Lisowski nach seinem Sieg über Stuart Bingham. © World Snooker/Tai Chengzhe

Heute nahm mit Neil Robertson wieder ein gesetzter Spieler sein Queue und machte sich auf den Heimweg. Nach Titelverteidiger Mark Selby, den Ex-Weltmeistern Shaun Murphy und Stuart Bingham, dem Nr. 11 der Weltrangliste Marco Fu und dem „Mann außer Form“ Luca Brecel war er schon der sechste „Mehr-oder-weniger-Favorit“, der die erste Runde der Snooker WM 2018 nicht überstand.

Robert Milkins zeichnet für das Ausscheiden von Robertson verantwortlich, der zugegebenermaßen immer noch nicht wieder auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit zu sein scheint. Milkins war mit seiner Performance – besonders der ersten Hälfte – sehr zufrieden. Nach einer schlimmen zweiten Saisonhälfte war sein Selbstbewusstsein im Keller. Und so bedeutete es ihm sehr viel, hier im Crucible spielen zu dürfen. Er sagte: „Ich bin eine ziemlich emotionale Person und ich konnte die Tränen spüren, als ich rausgegangen bin. Es ist eine großartige Atmospäre da draußen. It’s such a good buzz.“

Milkins Downs Thunder In Emotional Crucible Victory

💬 Robert Milkins: "I had tears in my eyes"It was an emotional 10-5 Crucible victory over Neil Robertson, for whom Milkins has the utmost respect. He'll face Mark Williams next!

Gepostet von World Snooker am Mittwoch, 25. April 2018

Der Rekord an ausgeschiedenen gesetzten Spielern in Runde eins liegt bei acht. Diese Zahl könnten wir durchaus auch in der diesjährigen Ausgabe erreichen. Judd Trump konnte ein solides 6–3 gegen Chris Wakelin nach der ersten Session fabrizieren. Doch weder hier noch dort ist der letzte Ball gespielt. Wenn Un-Nooh seine Nervosität in den Griff bekommt und Wakelin seine Chancen besser nutzt, könnte da durchaus noch etwas drin sein. Wakelin hat immerhin das bisherige Turnier-Highbreak von 141 gemacht. Und in der Partie Anthony McGill gegen Ryan Day haben viele schon vorher den qualifizierten Waliser stärker gesehen als den gesetzten Schotten.

Frischer Wind in der Runde der letzten 16 bei der Snooker WM 2018

Während einige vielleicht wirklich an ihren eigenen Hürden gescheitert sind (Marco Fu zum Beispiel hat wegen seiner Augenerkrankung einige Monate gar nicht gespielt), mussten sich andere der starken Leistung ihres Gegners geschlagen geben – wie Mark Selby. Jamie Jones zeigte sich mit zwei Centuries und Kampfgeist stark gegen Murphy, ebenso Lü Haotian gegen Fu. Und Luca Brecel konnte gegen Ricky Walden nicht überzeugen. Trotz erstem Turniersieg in dieser Saison ist der Belgier momentan nicht in guter Form.

Aber die – für mich – größte Überraschung lieferte Jack Lisowski: Einige Zeit wurde er oft in einem Atemzug mit Judd Trump genannt und ihm selber Großes vorausgesagt, doch sein Ranglistenplatz Nr. 30 (der beste in seiner bisherigen Karriere) spiegelt nicht sein Potential wider. Ihm fehlt es einfach an Konstanz. Doch in einem hochklassigen und unterhaltsamen Spiel gegen einen ausgesprochen starken Bingham konnte Lisowski endlich mal an den Tisch bringen, auf was wir seit Jahren warten. Framegewinnende Breaks, gute Safety und Durchhaltevermögen, als Bingham ihm auf die Pelle rückte, machten einen starken Auftritt. Kein Vergleich zu dem Spiel beim German Masters 2014, wo ich ihn das erste Mal live beobachten konnte und er nach einer 2–0-Führung gegen Alan McManus förmlich zerbröselte.

Favoritensiege mit und ohne Mühe

Williams Not Fearing Anyone After Reaching Last 16

💬 Mark Williams: "Let them worry about me"Twice a winner at the Crucible, Williams isn't fearing anyone at this year's Betfred World Championship.The Welshman's beaten Jimmy Robertson 10-5 to reach the last 16!

Gepostet von World Snooker am Mittwoch, 25. April 2018

Kyren Wilson, Mark Williams und Mark Allen haben souverän das Achtelfinale erreicht. Wilson ließ Matthew Stevens keine Chance und die beiden Marks ließen gegen Jimmy Robertson und Liam Highfield nichts anbrennen. John Higgins gewann in seinem Spiel gegen Debütanten Thepchaiya Un-Nooh 10–7. Hier sahen wir von beiden Spielern einen – erfolglosen – Maximumversuch. Ronald O’Sullivan und Ali Carter musste dem Sieg gegen Stephen Maguire bzw. Graeme Dott etwas hinterherlaufen. Ebenso klar gewann Ding Junhui gegen Xiao Guodong, der nach einem guten Start nicht mehr viel zu bieten hatte. Barry Hawkins lieferte gegen Stuart Carrington nicht gerade das Highlight der ersten Runde. Es war eher eine mühselige und centuryfreie Angelegenheit.

Runde zwei der Snooker WM 2018

Was erwartet uns in der zweiten Runde dieser Snooker WM?

Wir folgen übrigens einigen Spielen mehr oder weniger live auf Twitter.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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2 Gedanken zu „Es gibt keine Kleinen bei der Snooker WM

  1. A

    Mark Williams ist der letzte frei agierende Snookerspieler, der ab und zu darin erinnert, das es auch ein Spiel ist!
    Und er kann mit den Kugeln auch mit neuen und überraschenden und genialen Stößen erfolgreich sein.

    VG
    Elvis

  2. Lula Witzescher Artikelautor

    Ja, das ist schon erstaunlich (und schön zu sehen), dass er sich diese Freiheit nimmt. Immerhin ist es ja sein Beruf, mit dem er seinen Lebensunterhalt finanziert. Aber es scheint, dass die langjährige Erfahrung doch wieder etwas Lockerheit reinbringt.

Kommentare sind geschlossen.

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