Enttäuschung für Mark Allen im UK Championship Finale

UK Championship Finale 2018
Die Spieler im UK Championship Finale 2018. © World Snooker/Tai Chengzhe

Mit 10–6 entscheidet Ronnie O’Sullivan das UK Championship Finale gegen Mark Allen für sich, wird zum siebten Mal UK-Champion und holt seinen 19. Major-Titel.

Ein UK Championship Finale ist kein Spiel

In den Interviews vor dem Spiel kamen mir die beiden vor wie kleine Jungs, die sich auf ein Spielzeugeisenbahnwettrennen freuen. Und O’Sullivan schien sich richtig bei dem Gedanken zu freuen, den UK-Championshiprekord von Steve Davis (7) einzustellen oder den Triple-Crown-Rekord von Stephen Hendry (18) brechen zu können.

Mark Allen hatte zwar Respekt vor der Begegnung mit Ronnie O’Sullivan, wirkte aber durchaus selbstbewusst. Er war zwar der Meinung, hier bisher nicht sein bestes Snooker gezeigt zu haben, aber irgendwie müsse er ja ins Finale gekommen zu sein. Auch seine eigene Bilanz gegen Ronnie schien ihn zu beflügeln, hatte er doch in drei Triple-Crown-Events gegen O’Sullivan gewonnen. Er sagte: „Gegen den Besten zu spielen, bringt auch in mir das Beste hervor.“ Das waren erfreuliche Eindrücke, denn Viele wünschten sich ein spannendes Finale und nicht wieder so eine Nummer, wo Ronnies Gegner vor Ehrfurcht erst erstarrt und dann zerbröselt.

Und der Nachmittag fing genau so an, wie erhofft. Allen und O’Sullivan SPIELTEN! Nach etwas nervösem Auftakt gewannen beide einen Frame mit wunderbarem Stellungsspiel und positiven Shots. Beide wirkten wie im vollen Flow. Nach viel taktischem Spiel erarbeitete O’Sullivan sich den vierten Frame in einer Art und Weise, die die Kommentatoren ins Schwärmen brachte: Überwältigender Einsteiger! Unglaubliches Break!! Besonders sein Long-Game wirkte extrem selbstbewusst. Doch da Mark Allen in Frame eins und drei besonders durch seine Spielballkontrolle geglänzt hatte, ging es gerechterweise mit 2–2 in die Pause. Das machte Lust auf mehr.

Giftiger Pausentee für Mark Allen?

Wir wissen nicht, was im Midsession Interval passiert ist und ob jemand Mark Allen etwas in seinen Tee getan hat. Jedenfalls gewann O’Sullivan alle restlichen Frames des Nachmittags. Bei Allen schlichen sich Fehler ein und O’Sullivan nutzte sie gnadenlos. Nicht dass er unglaublich geglänzt hatte, nein, er hatte seine Framegewinne eher einer geduldigen Arbeit zu verdanken. Und wenn bei Allen etwas schiefgehen konnte, dann tat es das auch. So sieht es also aus, wenn ein Spieler das Momentum auf seiner Seite hat. Das 6–2 zum Sessionende drohte einen kurzen Abend an.

Mark Allen sucht seinen Mut

Mark Allen versuchte am Abend sich nicht zu verkriechen und spielte tatsächlich auch weiterhin einigermaßen mutig und offensiv. Im neunten Frame ging das schief und O’Sullivan baut seine Führung zum 7–2 aus. Doch dann konnte sich Mark Allen mit seinen bekannten Qualitäten Long-Game und Stellungsspiel die nächsten beiden Frames holen. Dabei sah er erfreulicherweise wieder sehr viel selbstbewusster aus und mit einer im Loch wobbelnden und doch fallenden Schwarzen war auch das Glück wieder auf seiner Seite. Den Einsteiger ins Break machte er übrigens mit dieser hübschen Kombination und machte daraus sein einziges Final-Century:

Der zwölfte Frame war eine kleine Geduldsprobe, viel taktisches Spiel und das Lauern auf Fehler des Gegners. Ronnie machte davon einen weniger als Mark und baute seine Führung wieder aus: 8–4 stand es zur Pause.

Mark war im 13. Frame zuerst im Break und spielte einige wunderbare Bälle. Allerdings machte er nur 59 Punkte und es folgte ein bisschen Hin und Her, das schließlich Ronnie wieder ins Spiel brachte. Und wie schon zuvor, krumpelte er sich geduldig durch eine schwierige Stellung mit rotem Ball an der Bande und holte den Frame auf Schwarz.

Nur noch ein Frame zum Sieg in diesem UK Championship Finale für O’Sullivan, doch wieder war es Allen, der das erste Break spielte. In zwei Anläufen verkürzte er mit dem Mut der Verzweiflung auf 5–9. Als er sich nach ziemlichem Kampf auch den nächsten Frame holte, scherzte er sogar mit Leuten aus dem Publikum. Im letzten Frame bekam er allerdings keine Chance mehr und O’Sullivan machte mit einer 78 den Titel klar.

Hochachtung für beide Finalisten

Ich habe versucht, das Brimboriums, das während der UK Championship um O’Sullivan(s) Aussagen zum Tourkalender etc. gemacht wurde, soweit es ging zu ignorieren. Denn seine unausgegorenen Reden nerven mich einfach nur noch. Aber ihn spielen zu sehen, wenn er richtig Bock hat, wenn er nicht die Lust verliert, sondern auch in zähen Phasen voll fokussiert bleibt, dann ist es eine Freude ihm zuzuschauen.

Doch auch Mark Allen, der anschließend sagte, ihm hätte es total Spaß gemacht, gegen Ronnie zu spielen, muss ich für seinen Kampfgeist meine Hochachtung aussprechen. Schade, dass er das Zwischentief am Nachmittag hatte, von dem er sich am Abend nicht erholen konnte.

Mark Allen, UK Championship Finale

So große Augen machten wir alle am Nachmittag, als Ronnie davonzog.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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