Ding Junhui ist Shanghai Masters Champion 2016

Ding Junhui, Shanghai Masters 2016
Ding Junhui ganz leger. © World Snooker/Tai Chengzhe

In einem abwechslungsreichen Finale besiegte der frische 6-Red-Weltmeister Ding Junhui 15-Red-Weltmeister Mark Selby mit 10-6 und hat damit sein zwölftes Weltranglistenturnier gewonnen. Den Titel des Shanghai-Masters-Champions trägt er zum zweiten Mal.

Nachdem er in der ersten Runde gegen Scott Donaldson quasi schon verloren hatte, rettete er sich doch über die Linie und schlug anschließend Stephen Maguire, Michael Holt und Mark Allen, Selby war mit Siegen über die beiden Stuarts (Bingham und Carrington) sowie Ryan Day ins Finale gekommen.

Vor dem morgendlichen Intervall war Mark Selby mit 3-1 in Führung gegangen. Bis dahin sahen wir einen guten Start von beiden mit einer 74 vom Engländer und einem 115er Century vom Mann vor heimischem Publikum. Doch Ding holte den Rückstand nicht nur auf, sondern Selby konnte nach der Pause keinen einzigen Frame mehr gewinnen. Im sechsten Frame lag er gut auf Kurs, verschoss aber eine relativ leichte Rote, was ihn sichtlich aus der Spur brachte. Zum Ende der ersten Session führte Ding Junhui mit 6-3.

In die Nachmittagssession, die natürlich in Shanghai die Abendsession war, startete Selby mit drei Framegewinnen inklusive Century zum 6-6, währenddessen Ding nicht einen einzigen Punkt holte. Doch vor dem Intervall machte der Chinese eine 97 zum 7-6. Auch die nächsten beiden Frames gewann Ding, bevor in Frame 15. Selby wieder eine Chance bekam, die er aber mit einer miesen Safety verspielte. Mit 9-6 nur noch einen Frame vom Titel entfernt, machte sich bei Ding Junhui der Druck der Publikumserwartung verstärkt bemerkbar: Beim Stand von 47-0 verschoss er Rot. Doch auch Selby gingen die Nerven und er musste nach nur einem Punkt wieder Ding an den Tisch lassen, der aber auch nur 13 Punkte machte. Nun folgte ein wunderbares Safetyduell, das dem Namen des Spiels alle Ehre machte: Die beiden legten Snooker vom Feinsten und entkamen ihnen, was das Zeug hielt. Selby zeigte seine bekannten Brinkmanship-Qualitäten und Ding hielt dagegen. Nachdem Selby bei drei benötigten Snookern den Spielball gelocht hatte, konnte er Ding zum verdienten Titel beglückwünschen. Die Bilder von der Siegerehrung mit vielen Anzugträgern, Pokalen, Riesenschecks und Tränen gibt es hier.

Das Finale brachte Ding auf Rang sechs der Weltrangliste, während Selby sich auf Platz eins ein weiteres Polster zulegte. Die provisorische Weltrangliste gibt es hier.

Maguire mit Maximum & Michael macht’s noch einmal

Maguire Shanghai Masters 2016In seinem Wildcard-Match gegen Amateur Yi Chen Xu gelang Stephen Maguire sein drittes Karrieremaximum. In Ermangelung von Fernsehkameras hat World-Snooker-Fotograf Tai Chengzhe einen Zusammenschnitt davon gemacht, der hier zu sehen ist. Maguire kam anschließend mit Siegen über Shaun Murphy, Barry Hawkins und Michael White bis ins Halbfinale.

In diesem Jahr war Ronnie O’Sullivan auch mal wieder nach China gereist, doch war sein Ausscheiden in Runde zwei der Tatsache angemessen, dass dies sein erstes Turnier in dieser Saison war. In Runde eins lag er schon 1-4 gegen Liang Wenbo zurück, als er den Kampfgeist auspackte und noch 5-4 gewann. Doch in der nächsten Runde traf er auf Michael Holt, der ihm in diesem Jahr schon beim World Grand Prix eine schöne Niederlage beschert hatte. Holt hatte in der ersten Runde Kyren Wilson souverän geschlagen. Mit diesem Selbstbewusstsein stand er am Tisch und gewann das Spiel trotz O’Sullivans ernstzunehmender Gegenwehr.mit 5-3. Leider musste er sich im nächsten Spiel Ding geschlagen geben.

Holt Shanghai Masters 2016

Der doppelte Ronnie-Bezwinger Holt mit unnötig skeptischem Blick.

 

 

 


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren depressiven Snookerroman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher