Championship League 2020 No. 3 – Vorschau und Rückblick

Am Montag beginnt die heiße Phase der Championship League. Ein guter Zeitpunkt, sich nochmal die Höhepunkte der ersten Gruppenphase in Erinnerung zu rufen, und einen Blick auf das zu werfen, was uns in der kommenden Woche erwartet.

Championship League – Der Modus

Die Championship League gibt es als Einladungsevent schon seit 2006. Im Juni wurde sie als erstes Event nach der Corona-Pause in einem neuen Format ausgetragen, zu diesem Zeitpunkt abermals als Einladungsturnier mit 64 Teilnehmer*innen. Zu Beginn der neuen Saison 2020/21 wurde das neue Format auf 128 Spieler*innen ausgedehnt und es ist nun erstmalig ein Ranglistenturnier.

Der Name „League“ ist dabei etwas irreführend. Im Gegensatz zu anderen Ligen, beispielsweise im Fußball, spielen nämlich nicht alle im Verlauf des Turniers gegeneinander, sondern die Spieler*innen sind in Gruppen (mit je 4 Teilnehmenden) aufgeteilt, ähnlich der Gruppenphase bei Fußball-EM und -WM. Aus den 32 Gruppen der ersten Phase haben sich bereits 32 Gruppensieger durchgesetzt. In der zweite Phase, die von Montag bis Donnerstag stattfindet, spielen diese 32 erneut in 8 Gruppen à 4 Spielern um den Einzug in die nächste Runde. Wieder kommen nur die Gruppensieger weiter. Am Freitag werden in zwei abschließenden Gruppen die beiden Finalisten ermittelt, die direkt im Anschluss ein Finale über ‚best of 5‘ ausspielen.

Und so werden die Gruppensieger ermittelt: Jeder Spieler spielt einmal gegen jeden anderen Spieler seiner Gruppe. Insgesamt gibt es damit 6 Spiele pro Gruppe über eine Distanz von ‚best of 4‘. Ein Spieler erhält 3 Punkte für einen Sieg und 1 Punkt für ein Unentschieden. Gruppensieger wird der Spieler mit den meisten Punkten. Sollte es einen Gleichstand geben, entscheiden in der Reihenfolge: Framedifferenz, direkter Vergleich zwischen zwei Spielern und als letztes Entscheidungskriterium (als Novum im Snooker) das höchste gespielte Break.

In Deutschland wird die Championship League als Stream über Matchroom.live übertragen. Das restliche Turnier zu verfolgen kostet dort 3,99 Euro. Die erste Session mit je drei Matches von beiden Tischen beginnt täglich um 13:30 deutscher Zeit, die zweite Session mit den verbleibenden drei Matches beginnt um 18:30 deutscher Zeit.

Was bisher geschah

Die Souveränen: Obwohl die kurzen Distanzen und das Gruppenformat Überraschungen begünstigen, konnten sich einige der Topfavoriten sehr souverän in ihrer ersten Gruppe durchsetzen. Dazu gehören Shaun Murphy, Stuart Bingham, Kyren Wilson und Li Hang, die jeweils alle ihre Matches gewannen. Bingham und Wilson gaben dabei sogar keinen einzigen Frame ab. Ryan Day gelang es am allerersten Tag der neuen Saison ein Maximum Break zu spielen. Bereits nach seinen ersten beiden Spielen stand er als Gruppensieger fest. Eine sehr überzeugende Leistung, auch wenn er sein abschließendes Match verlor. Auch Judd Trump, Barry Hawkins, Matthew Selt, Zhao Xintong, Ken Doherty, Alexander Ursenbacher und Jamie Clarke gewannen relativ ungefährdet ihre jeweiligen Gruppen.

Die Überraschungen: Obwohl sich in mehr als der Hälfte aller Gruppen der favorisierte Spieler durchsetzte, gab es einige größere und kleinere Überraschungen. Zum Beispiel gelang es Rory McLeod sich als Tourrückkehrer in einer Gruppe gegen Jack Lisowski, Ian Burns und Fraser Patrick durchzusetzen. Ebenfalls aus der nominellen Außenseiterposition gelang es Ken Doherty seine Gruppe souverän zu gewinnen, nachdem er mit einem 31 Auftaktsieg gegen Neil Robertson bereits alle Trümpfe in der Hand hielt. Auch in Gruppe 15 gab es eine Überraschung. Da Michael Holt einen rabenschwarzen Tag erwischte, machten die drei Außenseiter den Gruppensieg unter sich aus. Letztlich setzte sich der erfahrenere Jamie O‘Neill gegen den Rookie Sean Maddocks und den für Anthony Hamilton nachgerückten Daniel Womersley durch.

Die Spannenden: In einigen Gruppen kam es in den letzten Matches zum abschließenden Show-Down zwischen den beiden am höchsten im Ranking positionierten Spielern der Gruppe, in manchen Gruppen blieb es bis zum Schluss zwischen mehreren Spielern eng. In zwei Gruppen kam sogar das höchste Break als Entscheidungskriterium um den Gruppensieg zum Einsatz. In Gruppe 21 spielten David Gilbert und Lu Ning beide 31 gegen Aaron Hill und 22 gegen Xu Si. Aufgrund eines 98er Breaks aus seinem Spiel gegen Hill reichte Gilbert jedoch ein Unentschieden im letzten Spiel gegen Lu, was er nach 12 Rückstand im letzten Frame des Tages erzwingen konnte.

In Gruppe 14 sah Liang Wenbo nach zwei souveränen Siegen schon fast wie der sichere Sieger aus, nachdem der favorisierte Graeme Dott zunächst strauchelte. Doch ein abschließender Sieg gegen Liang reichte Dott letztlich doch noch zum Gruppensieg. Ein ähnlich spannendes Duell lieferten sich der Titelverteidiger Luca Brecel und Tom Ford. Brecel reichte im abschließenden Gruppenspiel ein Unentschieden. In einem Kurzdistanzmatch, das sich wie ein sehr langer Decider anfühlte, konnte Tom Ford einen 01 Rückstand noch zu einem 31 Sieg drehen und gewann so die Gruppe.

Weniger erfolgreich lief es für Simon Lichtenberg. Nach einem Sieg im seinem zweiten Match gegen Martin Gould hatte Simon vor dem letzten Match der Gruppe noch sehr gute Aussichten auf den Gruppensieg, ein einfacher Sieg gegen Igor Figueiredo hätte ihm gereicht. In einem nervösen Match bewies Figueiredo die besseren Nerven, sodass Simon nicht nur das Match verlor, sondern auch Gruppenletzter wurde. Ein besonders tragischer Verlauf, der von den britischen Kommentatoren prompt ‚Licktenbörg-effect‘ getauft wurde und auf den sie an den folgenden Tagen immer wieder verwiesen, wenn sie betonen wollten, wie spannend und dramatisch das neue Championship League Format sein kann.

Die meines Erachtens beste Gruppe der ersten Phase war Gruppe 31, die am letzten Tag ausgespielt wude. Sie war nämlich eine der hochklassigsten und zugleich spannendsten aller Gruppen. Nomineller Favorit in dieser Gruppe war Noppon Saengkham, der jedoch keinen besonders guten Tag erwischte. Umso besser präsentierten sich die drei anderen Spieler der Gruppe: Tian Pengfei, Robbie Williams und Oliver Lines spielten zusammen fünf Centurys. Vor dem allerletzten Frame des Tages konnten noch alle drei die Gruppe gewinnen. Tian Pengfei, der in diesem Match nur zuschauen konnte, war hier der sprichwörtliche lachende Dritte: Da Robbie Williams einen 31 Sieg gegen Oliver Lines komplettierte, aber Tian Pengfeis höchstes Break nicht überbot, gewann der Chinese die Gruppe. Lines, als Favorit ins letzte Match gestartet, wurde so zum (bisher) letzten Opfer des Lichtenberg-Effekts.

Worauf wir uns freuen können

Die bisherigen Gruppensieger spielen in den folgenden acht Gruppen:

Montag, 26.10.20:

Ähnlich wie die erste Phase der Championship League beginnt auch die zweite Phase mit der Gruppe des Weltranglistenersten und inzwischen frisch gebackenen English Open Siegers Judd Trump. Seine Gruppe ist insgesamt jedoch prominent besetzt und fast schon eine Neuauflage der ersten Siegergruppe aus der Championship League im Juni. Dort traf Trump auf Hawkins, Day und Gilbert. Im Juni setzte sich Day in einer knappen Gruppe durch, die Gruppe am Montag könnte ähnlich eng werden.

Am zweiten Tisch spielt Gruppe C. Stuart Binghams Favoritenstatus dürfte wohl unbestritten sein, in der Championship League im Juni erreichte er die Finalgruppe. Aber er bekommt es hier mit einer sehr talentierten Reihe nicht-britischer Jungprofis zu tun. Luo Honghao konnte sich in der ersten Phase sehr überzeugend gegen Mark Allen durchsetzen.

Dienstag, 27.10.20:

Zhou Yuelong hat letzte Woche bei den English Open das Viertelfinale erreicht und damit das beste Ergebnis aller Spieler dieser Gruppe erzielt. Beeindruckend war auch die Art, wie ihm das gelang. Nach 03 Rückstand gegen Farakh Ajaib in der zweiten Runde noch gewonnen zu haben, scheint ihm Selbstvertrauen gegeben zu haben. Sollte er daran anknüpfen können, wird es schwer für den Favoriten Shaun Murphy. Aber auch Matthew Selt und Dominic Dale sollte man bei diesem Format nicht unterschätzen.

In Gruppe D sind mit Jamie O‘Neill und Rory McLeod zwei der größten Überraschungssieger der ersten Phase. Wer einmal überraschend eine Gruppe gewonnen hat, kann das noch ein zweites Mal schaffen. Allerdings spricht vieles dafür, dass die Gruppe auf ein Duell zwischen Mark Selby und Graeme Dott hinaus läuft.

Mittwoch, 28.10.20:

Gruppe F ist für mich die interessanteste Gruppe der zweiten Phase. Kyren Wilsons Form zu Saisonbeginn scheint bärenstark zu sein. Bisher ist er noch ein bisschen unter dem Radar geflogen. Sowohl beim European Masters als auch bei den English Open hatte er das Pech schon im Viertelfinale auf Judd Trump zu treffen. Bei der Championship League erwartet ihn ein Trump-freier Weg bis zum Finale. Die Gruppe wird mit David Gilbert, Scott Donaldson, dem Sieger der prä-Corona Championship League der letzten Saison, und Mark King aber keine einfache Aufgabe. Für Kyren Wilson nicht und für die anderen drei ebenso wenig.

Im Gegensatz dazu sehe ich in Gruppe E keinen eindeutigen Favoriten, aber auch keinen eindeutigen Außenseiter. Thepchaiya Un-Nooh konnte bei der jüngsten Aktualisierung der Weltrangliste erstmalig in die Top 16 einziehen. Noch fehlt ihm dazu ein erstes überzeugendes Saisonergebnis.

Donnerstag, 29.10.20:

Die English Open haben gezeigt, dass mit John Higgins wieder zu rechnen ist, und beim European Masters haben wir gesehen, dass Martin Gould in Kreis der Topspieler zurückgekehrt ist. Schaut man auf die Season Points, also die Ranglistenpunkte nur aus dieser noch jungen Saison, ist Gruppe G diejenige mit dem höchsten Grundniveau. Ein schönes abschließendes Highlight für die zweite Gruppenphase.

Parallel am zweiten Tisch spielt am Donnerstag eine Gruppe, die mit vergleichsweise bescheidenen Namen aufwartet, die man aber nicht unterschätzen sollte. Alle vier Spieler haben ihre vorherigen Gruppen nicht nur gewonnen, sondern dabei auch sehr überzeugend gespielt. Ich möchte keine Prognose abgeben. Aber es wird spannend sein zu sehen, wem es am besten gelingt nach dem Intermezzo bei den English Open an diese Leistung wieder anzuknüpfen.

Freitag, 30.10.20:

Die Gruppensieger der Gruppen A, B, C und D spielen am Freitag in einer Gruppe den ersten Finalteilnehmer aus. Die zweite Gruppe besteht aus den Gruppensiegern aus E, F, G und H. Das Finale der beiden letzten Gruppensieger findet direkt im Anschluss am Freitag Abend statt.

In eigener Sache

Während der letzten Gruppen der Championship League werde ich wieder versuchen zeitnahe Updates über die Zwischenstände der Gruppen und die Siegchancen der beteiligten Spieler auf Twitter zu geben. Dafür möchte ich zur besseren Übersicht den Hashtag #CLSUpdates nutzen. Ihr seid natürlich herzlich eingeladen, meine Updates auf überflüssige Fehler zu überprüfen.

Damit bedanke ich mich bei allen, die sich die Zeit genommen haben, meinen ersten Artikel für SnookerPRO zu lesen. Ich hoffe er hat euch gefallen. Ich freue mich als neues Teammitglied bei SnookerPRO dabei zu sein und auf hoffentlich viele Artikel, die noch folgen werden.

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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